Internationales KooperationsProjekt: Leitbild für ukrainische Bibliotheken

vom 25.05. - 29.06.2000 in Deutschland

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Tagebuch

Unser Projekt-Tagebuch


Unser ursprüngliches Original-Projekt-Tagebuch begann mit dem jeweils aktuellsten (letzten) Tag und wurde rückwärts geführt.

Diese Eintragungen hier beginnen mit dem ersten Projekttag, dem Mi., 24.05.2000, und
enden mit dem letzten Tag, dem Do., 29.06.2000. Also so, wie es sich gehört.


1. Woche, 24. - 28. Mai 2000


Mi., 24.05.

Liebe Tagebuch-Leserinnen,

hier kann noch nicht viel geschrieben stehen, denn wir haben ja erst Mi., den 24.05., und Switlana Barabasch ist noch in Prien am Chiemsee.

Dort hat sie gerade Ihren letzten Unterrichtstag des Intensivsprachkurses, der vom Goethe-Institut organisiert und bezahlt wird. Feine Sache! Nun bin ich mal gespannt, wie gut Frau Barabasch schon Deutsch spricht.

Währenddessen laufen hier im WEGA-Haus die Vorbereitungen noch auf Hochtouren.
Ich lege u.a. letzte Hand an zu diesem Tagebuch, habe mit Frau Blum aus der Stadtbücherei Efringen-Kirchen die letzten Details für unsere kommende Leitbild-Inhouse-Veranstaltung besprochen und die Willkommensmappe zusammengestellt.
Darin liegen Beschreibungen und Postkarten der Orte, zu denen wir demnächst fahren werden. Natürlich gibts zu den Postkarten auch Briefmarken dazu.
Warum ich das für erwähnenswert halte?

Der Monatslohn einer Bibliothekarin in der Ukraine beträgt ungefähr 50 DM. Sehr weit kommt man in Deutschland ja nicht damit. Das sind, oje, gerade mal 25 Postkarten samt Marken. Erfahren habe ich, dass dieser Lohn außerdem oft drei Monate später ausbezahlt wird. Viele Ukrainer haben deswegen entweder einen zweiten Job, oder aber eine kleine Datscha.

Wenn Sie Lust haben, schauen Sie doch morgen wieder rein in unser Tagebuch. (Fast) täglich werden Sie informiert über das Geschehen im Projektverlauf. Wissenswertes und Spannendes über die Ukraine erzählt Ihnen Frau Barabasch selbst.

Bis morgen!
gez. Ilona Munique

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Do., 25.05.

Ilona

Liebe Tagebuchmitleserinnen, liebe Tagebuchmitleser!

Wunderbar, Switlana ist gut in Postbauer-Heng angekommen - herzlich Willkommen!

Die Verständigung klappt sehr gut. Der 8-wöchige Sprachintensiv-Kurs in Prien a. C., von dem Switlana gerade kam, war ganz offensichtlich intensiv gewesen.

Nach einer kleinen Besichtigung des Ortes und bei Erdbeeren mit Sahne im Garten besprachen wir den Zeitplan und Organisatorisches. Dann tauschten wir unsere Erwartungen an das Projekt aus. Es stellte sich heraus, dass Switlana sehr viel mehr theoretischen Unterricht erwartet hat. Doch die beste Art, theoretisches Wissen zu erwerben ist, so meine ich, immer noch der kleine Umweg über die Praxis.

Ohne es zu wollen näherten wir uns bereits beim Abendessen dem eigentlichen Thema.

Warum? - so die Frage von Switlana - vermuten kleinere Bibliotheken, wäre ein Leitbild für sie uninteressant und überflüssig?

Meine Antwort darauf: Möglicherweise wird in Artikeln, die oft die einzige Informationsgrundlage bilden, zuviel theoretisiert und verkompliziert. Das Sinngebende eines Leitbildes kann dadurch nur unzureichend erfühlt werden, der Bezug zu Alltagssituationen in Bibliotheken ist schwer nachvollziehbar. Fortbildungen zum Thema zeigen, dass die Erwartung der TeilnehmerInnen an das Leitbild vor und dann nach den Veranstaltungen gänzlich unterschiedlich sind.

Aber jetzt reicht es erst einmal für den Ankunftstag. Morgen mehr davon. Und Sie dürfen gerne wieder reinspitzeln!
gez. Ilona Munique

Switlana

Liebe Tagebuch-Leserinnen,

Sehr herzliches Eintreffen im WEGA-Team, das ist ganz ehrlich!

Was mich erstaunt hat: Ich hatte keine Vorstellung, was bedeutet WEGA-Team? Ich wußte nicht, dass es möglich ist, auf diese Art Aktivität in Bibliotheksbereich zu entwickeln. Ich wußte nicht, auf welche Weise das passieren soll, außerhalb Bibliothek für Bibliothek tätig sein zu können.

In der Ukraine ist das anders. Ein Raum, 10 Menschen, alle müssen arbeiten, was sie gesagt kriegen. Hier ist das alles neu für mich, wie für Columbus Amerika entdeckten.

Es gibt in den ukrainischen Bibliotheken keine speziellen Kontakte zu Werbefirmen oder Imageberatungen, wie wir es zum Beispiel mit Verlagen oder Buchhandlungen pflegen.

Alles neu für mich.
gez. Switlana Barabasch

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Fr., 26.05.

Ilona

Hallo, liebe Tagebuch-Leserinnen,

Ja, so etwas gibt es noch. Switlana Barabasch konnte es kaum erwarten, zum ersten Unterrichtstag zu erscheinen. Überpünktlich ging es also los, und der Geist war noch frisch und offen für psychologische Zusammenhänge.

Wir gingen den Fragen nach: Warum arbeiten? Welche Motive außer Geld kann es noch geben, sich zu engagieren? Was will ich für mich persönlich?

Vielleicht mehr Spaß an der Arbeit durch klare Ziele, Lust am Arbeiten durch gemeinsames Wollen, der Langeweile entkommen, usw.
Ganz klar: erst, wenn ich einen guten Grund, ein erkennbares Motiv zu arbeiten habe, kann ich etwas mit einem Leitbild anfangen.

Nach diesem Exkurs in (Mitarbeiter-)Motivation und ein paar weiteren einleitenden Erklärungen studierte Switlana gründlich einen (demnächst erscheinenden) Artikel, der über das Corporate Identity für den praktischen Bibliotheksalltag handelt.

Nein, Switlana hat diese Seiten nicht einfach überflogen. Sie hat sie tatsächlich studiert. So gründlich, dass ich schon befürchtete, sie hätte mich missverstanden, und meine nun, sie solle den Artikel auswendig lernen. Sie erklärte mir, sie benötige deswegen die Zeit, weil es nicht so leicht sei, Verbindung zu gewohntem bibliothekarischen Denken und Arbeiten in der Ukraine zu finden. Für manche Wörter gäbe es auch schlichtweg keine adäquate Übersetzung in das Ukrainische.

Der Nachmittag wurde darauf verwendet, uns über die Themenbereiche Öffentlichkeitsarbeit und Werbung dem Leitbild zu nähern. Beendet haben wir den Unterricht mit einem Ausflug in die Führungsebene (Führungsqualitäten). Vor allem für die ukrainischen, vom Sozialismus/Kommunismus noch immer stark geprägten hierarchischen Strukturen kann ein Leitbild als demokratischer Willensbildungsprozess ein (gerade für Chefs) aufrüttelndes und völlig neues Erlebnis werden. (Ich sehe Sie jetzt förmlich vor mir, wie Sie grinsen. Ja, ja, das gilt natürlich auf für deutsche Landen.)

Es war für uns beide schwer, zu einem Ende zu finden. Doch es tröstet uns, dass wir noch fast fünf Wochen vor uns haben.
gez. Ilona Munique

Switlana

Guten Tag, liebe Tagebuch-Leserinnen,

ich merke, es genügt nicht, einfach Deutsch zu lernen. Deutsche Mentalität und Art zu arbeiten ist ganz anders, hier denken alle ganz anders als in der Ukraine. Viel Freiwillig, viel Selbstbestimmtes. Interessant ist auch das Image, die Bedeutung einzelner Wörter wie z.B. flexibel. Das hat negatives Bedeutung in Ukraine. Das ist, weil das von früheren System Kommunismus nicht gerne gesehen war, wenn Leute flexibel waren.

Das ist, warum Test von Imageprofil anders für mich aussieht, als wenn Deutsche denselben Test machen. Aber Prinzip ist genauso. Menschen empfinden überall.

Das Wissen über Chefs und geheime Chefs ist interessant. In der Ukraine haben Bibliotheksleiter fast immer eine zusätzliche Qualifikation über psychologische Kenntnisse. Das ist eine besondere Qualität. Viele Frauen arbeiten in Bibliotheken, und haben viele sozialise Probleme mit schwere Situation zuhause. Da ist es gut, wenn psychologisches Wissen darüber da ist. Frau Munique sagt, das täte auch in Deutschland gut, Psychologie für Chefs. Ein paar Chefs machen Seminare freiwillig mit. Aber das wären immer die, die es am wenigsten not haben.

Nach dem Abendessen habe ich geklärt bekommen, wie ist das mit dem mailen. Wenn mich jemand mailen will, dann wunderbar! Ich freue mich sehr über Post! Dank!
gez. Switlana Barabasch

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Sa., 27.05.

Ilona

Grüß Gott, liebe Tagebuch-Leserinnen!

Heute hatten wir uns als Lernziel des Tages das Kennenlernen eines Leitbild-Ablaufes vorgenommen. Der ursprüngliche Plan sah einen fingierten Ablauf als Vorbereitung zur Bibliothek Efringen-Kirchen vor, zu der wir morgen anreisen werden. Dieses Vorhaben erwies sich allerdings nicht als praktikabel.

Stattdessen haben wir den Leitbild-Ablauf an der Bibliothek der Nationalen Technischen Universität der Ukraine, Kiewer Polytechnisches Institut, KPI, durchgespielt, in der Frau Barabasch Abteilungsleiterin des Sektors Auskunft ist. Da ich die KPI-Bibliothek im vergangenen Jahr selbst gesehen hatte, konnte ich den Ausführungen von Switlana bei der Selbstbild-Analyse gut folgen und mir ein echtes Bild machen. Obwohl es zunächst den Anschein hat, in Deutschland wäre alles anders als in der Ukraine, so ist das Grundproblem der mangelnden Finanzierung doch gleich. Für die Ukraine gilt dies allerdings in weitaus verschärfter Form.

Morgen werden wir uns das umfangreiche Informationsmaterial, welches uns von Frau Juliane Blum, der Leiterin der Stadtbücherei Efringen-Kirchen geschickt wurde, ganz gemütlich am Sonntagsfrühstückstisch durchsehen und während der langen Anreise sowie abends in der Pension besprechen. (Das Wort von gestern: flexibel!)

Meine Erkenntnis des Tages: Ich hätte die doppelte Zeit für das Projekt ansetzen sollen. Denn ich lerne mindestens genauso viel von meiner ukrainischen Kollegin wie sie von mir.
gez. Ilona Munique

P.S.: Bis Mittwoch abend gibt es keine neuen Tagebucheinträge zu lesen, denn wir sind ja unterwegs zur ersten Projektbibliothek, Efringen-Kirchen. Wir freuen uns schon darauf, denn die ganzen Vorbereitungen haben bereits gezeigt, dass uns ein besonders aufmerksames und gastfreundliches Bibliotheksteam erwartet. Also dann, bis Mittwoch!
gez. Ilona Munique

Switlana

Dobryj den', liebe Kolleginnen und Kollegen!

Heute habe ich eine kleine Entdeckung für mich gemacht. Leitbild ist keine philosophische Teori, umsonst ich habe gestern gedacht. Leitbild ist ein logische Spiel, etwas zwischen eine Schachspiel und eine Kartespiel.

Die Moderatorin hat in diese Spiel eine besondere Rolle. Das ist keine Schiedsrichterin (Kampfrichterin), das ist keiner Beraterin.
Doch sie ist eine Dirigentin, eine Weichenstellerin und eine Psychoanalitikerin gleichzeitig.

Meine Denken ist ein wenig assoziativ, aber ich kann somit genauer meine Eindrucken zum Ausdruck bringen.
In diesem Punkt gibt es noch ein wichtiger Moment. Leitbild ist eine Kommikationsarbeit, die ein direkte Sprachkontakt braucht, deshalb gibt es Notwendigkeit der gute Sprachkenntnis.

Gott sei Dank, Frau Munique ist sehr geduldig zu mir.
gez. Switlana Barabasch

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So., 28.05.

Ilona

Hallo, liebe Tagebuch-Leserinnen!

Wie geplant fuhren wir am frühen Nachmittag (über Heilbronn, Karlsruhe, Freiburg i.Br.) nach Efringen-Kirchen ins Markgräflerland. Anregende Gespräche machten die 460 Autobahnkilometer nicht allzu lang.

Frau Hankes kleine Pension lag gut behütet direkt an der Kirche in (Efringen-)Kirchen, und wenn wir aus dem Fenster schauten, hatten wir quasi Blickkontakt ins Wohnzimmer unsres Herrgotts.

Gut behütet fühlte sich sicher auch das Storchenpaar auf dem Turm. Ich erinnere mich: das Elsass, das Land der vielen Adebare, das ist ja hier gleich ums Eck.
Und gleich um die Ecke war auch der Rebstock, ein urgemütliches Wein- und Speiselokal, in dem wir uns von der Reise erholten. Nein, es war nicht das Glas Wein zuviel, welches uns singen machte. Vielmehr vermochte dies ein gitarrespielender Walliser, der das Lokal mit mundartlichen Liedern musikalisch beglückte. Ein außerordentlich freundlicher Empfang in diesem wunderschönen badischen Land.

Vielen Dank, Frau Blum, für die gute Auswahl unserer Unterkunft!
gez. Ilona Munique

Switlana

Dobryj den', liebe Kolleginnen und Kollegen!

Sechs Stunden mit dem Auto, und wir sind in ein wunderbares Land auf andere Seite von Deutschland geraten, ganz im Süden. Unter den Weingärten, nicht sehr weit vom Rhein, befindet sich diese schöne Stadt Efringen-Kirchen, darin wohnen die freundlichen Leute und die friedlichen Storchen auf der Dach der örtlichen Kirche. Die Hauptüberraschung war unser Hauptziel, die kleine Gemeindebücherei. Doch morgen will ich mehr darüber sagen.
Ihre Switlana Barabasch

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2. Woche, 29. Mai - 04. Juni 2000


Mo., 29.05.-
Di., 30.05.


(zurück zum Mo., 05.06.)

Ilona

Liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

Klein, aber fein. Das ist der erste Eindruck von Efringen-Kirchens neuem Ortskern, der nach der Gebietsreform (wie in so vielen Gemeinden) notwendig wurde. Hier ist aus der Not eine Tugend geworden, und dieses neue Zentrum wird von der Bevölkerung offensichtlich vollkommen akzeptiert.

Kann es sein, dass dieses Zentrum so beliebt ist, weil mittendrin auch eine Bücherei lockt, oder profitiert die Bücherei nur von der allgemeinen örtlichen Akzeptanz?

Über 20% der EinwohnerInnen sind eingetragene Leserinnen und Leser der Bücherei. Bei einem Landesdurchschnitt von gerade einmal 3 - 5% ist dies eine umwerfende Zahl. Sie spricht eine deutliche Sprache, doch sie wirft zudem noch Fragen auf.

Wie erreicht die Bücherei Efringen-Kirchen diese unglaublich hohe Leseranzahl? (7.800 EW / 12.000 ME / 19 Std. / 5 T.) Braucht diese Bücherei überhaupt ein Leitbild?

Ja, sicher.

Denn es stellte sich im Laufe des Leitbild-Prozesses heraus, dass die Menge der Aufgaben und Leistungen enorm hoch ist, derer sich die Bücherei annimmt. In Ermangelung entsprechender Institutionen macht sich die Bücherei Efringen-Kirchen nicht nur um die Grundversorgung mit Literatur und Information verdient, sondern bedient ebenso soziale Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde.

Das Büchereiteam stellt außerdem viele ideen- und abwechslungsreiche sowie qalitativ hochwertige (medien- und sprach)kulturelle sowie künstlerische Veranstaltungen auf die Beine. Bei unserer Vorbereitung auf die Bücherei haben Switlana und ich die Pressemeldungen der letzten Monate durchgelesen und wir fragten uns ernsthaft: Wie schaffen die das alles? Denn mit 1,7 Stellen (auf 4 Personen verteilt) ist die Bücherei bei diesem Pensum nicht gerade üppig mit Personal bestückt.

Ein Leitbild kann hier gute Orientierungshilfe geben. Und es kann das Handeln aus der Hektik der Tagespolitik heraus auf eine langfristige Perspektive heben. Denn das Leitbild hilft in diesem Zusammenhang, folgende drängende Fragen zu beantworten:

  • Welche Aufgaben und Ziele hat die Bücherei?
  • Was gibt es über die Bücherei zu sagen?
  • Was genau soll mit der Bücherei erreicht werden?
  • Was will das Büchereipersonal für sich persönlich?
  • Wo werden die Schwerpunkte gesetzt?

    Über eine gründliche Stärken-Schwächen-Analyse mit bereitwilliger Diskussion von Seiten des Teams hat sich bereits ein Profil der Bücherei ermitteln lassen. Mehr wird jedoch nicht verraten, denn ich will nicht vorgreifen.

    Wir sind sehr gespannt auf die weitere Entwicklung im Leitbildverlauf, und Frau Barabasch und ich freuen uns auf den kommenden Montag! gez. Ilona Munique

  • Switlana

    Ich grüßen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Wie ich gestern geschrieben, die Hauptüberraschung war die kleine Gemeindebücherei, genauer gesagt, eine Belegschaft von Bibliothekarinnen. Vier sympatiesche, intelligente Frauen arbeiten zusammen, teilweise noch nicht so lange, trotzdem fühlen sie sehr gut miteinander. Günstige Atmosphäre herrscht hier.

    Das Bibliotheksgebäude ist nächster Nachbar von Rathaus. Es macht einen guten Eindruck, vornehm und alles sehr gut geglückt.

    Alles sehr gut. Wozu Leitbild für sie?

    Obwohl, warum nicht da? Das wird mir klar später.

    Leitbild ist ein Schaffensinstrument für Schaffenskollektiv. Ich habe nämlich sogleich dieses Team beobachtet, es ist ein gutes Schaffensteam. Aber trotzdem habe ich noch sehr viele Fragen für Frau Munique. Macht nichts, bis nach Postbauer-Heng sind es sechs Stunden, viel Zeit für Fragen.
    gez. Switlana Barabasch

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    Mi., 31.05.

    Ilona

    Guten Morgen (oder auch Abend?), liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Ein Glück, dass Switlana gestern so viele kluge Fragen an mich hatte. Wir sind nämlich entgegen unseren Plänen bereits am Dienstag abend zurück nach Postbauer-Heng gefahren. Es hat zwar nur einmal geregnet, doch dies den ganzen Weg über. Und über dem Wisch-Wasch der Scheibenwischer einzuschlafen hätte dem Verlauf unseres Projektes den Garaus gemacht. Das wäre sehr, sehr schade gewesen, denn eines kann ich jetzt schon sagen: Das Projekt Leitbild für die Ukraine wird ein voller Erfolg, davon sind wir bereits überzeugt!
    Nun aber das Lernpensum des Tages:
    Ergänzen der begonnenen Stärken-und Schwächen-Analyse KPI-Bibliothek Kiew.

    Switlana hat ihren bereits notierten Stärken-Schwächen-Kärtchen nach dem Erleben in der Gemeindebücherei (s.u.)Efringen-Kirchen ein paar weitere hinzugefügt. Sie hat dort erfahren, wie differenziert und detailliert die positiven und negativen Zustände beschrieben werden.

    Gewundert hat sie sich darüber, dass der Diskussionsprozess in Efringen-Kirchen sehr diszipliniert und ruhig verlaufen ist. Sie meinte, das könne sie sich für ukrainische Bibliothekarinnen und Bibliothekare nicht ganz so vorstellen, man wäre dazulande viel lebhafter. Ich muss zugeben, ich habe es auch schon in Deutschland anders erlebt.

    Nicht immer ist eine Leitbildentwicklung ein so ungetrübtes Erlebnis wie in den vergangenen Tagen in Efringen-Kirchen. In manchen Bibliotheken wird sehr um das Verständnis untereinander gerungen.

    Zwischen Diskussion und Kontroverse, zwischen Debatte und Streit bewegen sich zuweilen bewegte Äußerungen. Wichtig ist es jedoch, die Gelegenheit des Leitbildprozesses zu nutzen, um endlich einmal ein längeres Gespräch in Gang zu bringen, und um drängenden Fragen nachzugehen. Und das nicht eben einmal schnell zwischen Titelaufnahme und Kundenkontakt, sondern in aller Ruhe und mit Moderation von außen. Das sollte sich eine Bücherei wert sein und auch gönnen.
    gez. Ilona Munique

    Switlana

    Grüße an Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    O, Gott!

    Zuerst ist alles unverständlich, dann: alles ist klar! Einfach!

    Zuerst ich habe Angst, dann ich beginne, stolz zu sein. Ich habe verstanden. Ich bin (vielleicht) Strategin? Denn ich baue lange Kette aus verschiedenen Vorstellungen über meine Bibliothek KPI.

    Aber ich weiss noch nicht sicher, was wird weiter. Ich hoffe, darüber weiß Ilona.
    gez. Switlana Barabasch

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    Do., 01.06.
    (Christi
    Himmelfahrt)

    Ilona

    Switlana

    Liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Heute ist Christi Himmelfahrt, der für alle überwiegend katholischen Gemeinden und Städte ein Feiertag ist. So auch hier in Postbauer-Heng und natürlich in der Erzdiöseze Bamberg. Da sich Switlana sowohl eine Erholung von all den vielen Fragen als auch eine Erholung von mir, ihrer Trainerin, verdient hat, ist sie ohne mich nach Bamberg gefahren. Natürlich hatte ich ihr aber einen kundigen Begleiter mitgegeben: meinen Mann, Stephan Steiner, einen gebürtigen Bamberger.

    Die Zeit ihrer Abwesenheit habe ich genutzt, um Ihnen ein wenig mehr über Switlanas Fragen an mich und über die Rafinessen der Sprache zu erzählen. Außerdem gibt es noch einen kleinen Nachtrag zu einem Ausflug, der während unserer Zeit in Efringen-Kirchen stattfand.

    Einige Fragen Switlanas an mich


    1. Gibt es Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die kein Interesse an einem Leitbild haben?

      Ja, die gibt es.
      Besonders bei wissenschaftlichen Bibliotheken oder auch recht kleinen Büchereien ist das Interesse gering.
      Die Gründe sind vielfältig. Zum Beispiel: Abhängigkeit von Institutionen, die ein Aufbrechen veralteter Strukturen fürchten, zu wenig Information über die Wirkungsweise eines Leitbildes, mangelnde Vorstellung darüber, dass Leitbild auch für kleine Systeme hilfreich sein kann, einseitige betriebswirtschaftliche Darstellungen vom Instrument Leitbild ohne Praxisbezug (was bei Bibliotheken eher eine ablehnende Haltung hervorrufen wird), der Gedanke an die möglichen Kosten, usw.

    2. Welchen Ruf, welches Image haben Bibliothekarinnen und Bibliothekare hier in Deutschland? Wie Lehrerin?

      Ja, ich denke, so ungefähr. Vermutet werden Intelligenz ("Die haben sicher alle Bücher gelesen und wissen daher alles") und Kompetenz ("Die finden sich in diesen furchtbar komplizierten Aufstellungsystemen zurecht").

      Allerdings müssen Bibliothekarinnen und Bibliothekare auch mit dem Ruf leben, bürokratisch und streng zu sein, eben genau so, wie manche Bibliotheken (auch heute noch) anzutreffen sind.

      Dass es überwiegend innovative, fortschrittliche, moderne und kundenorientierte Bibliotheken in Deutschland gibt, hat sich noch nicht genügend herumgesprochen. Es bedarf also viel an Imagepflege, damit sich hier nachhaltig ein besseres Bild abzeichnen kann.

    3. Kommen um so mehr Stärken- und Schwächen-Punkte zusammen, je mehr Bibliothekarinnen und Bibliothekare am Leitbild-Prozess teilnehmen?

      Nein, nicht unbedingt. Das ist sehr unterschiedlich, aber auf jeden Fall nicht proportional.

    4. Sind Bibliothekarinnen und Bibliothekare hier in Deutschland eher zurückhaltend während des Leitbild-Prozesses?

      Auch das ist sehr unterschiedlich. Es gibt muntere und aufgeschlossene Menschen, die viel zum Sagen haben, und Menschen, die anfangs gar nichts sagen, zum Schluss aber die entscheidenden Einwände bringen. Eine kleine Faustregel gibt es jedoch schon: In kleinen Büchereien ist die Zurückhaltung eher gering, in großen Systemen eher hoch. Das liegt wohl an den unterschiedlichen Team- bzw. Hierarchiestrukturen.

    5. Bis zu welcher Anzahl an Personen kann man als Moderatorin noch die Übersicht behalten?

      Tja, auch da gibt es wohl keine feste Zahl. Das kommt auf die Bibliothek und auf die Moderatorin, auf den Moderator an. Meine persönliche Grenze liegt bei 28 Personen. Da ist es schon sehr mühsam, allen gerecht werden zu können, alle Wortmeldungen zu einem gemeinsamen Konsens zu verbinden, jeden als Einzelwesen wahrzunehmen.

    Fragen einer zukünftigen Leitbild-Moderatorin. Ach, was gäbe ich darum, wenn Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, an all unseren lebhaften und hochinteressanten Gesprächen und Diskussionen in Bezug auf Bibliotheksarbeit in Deutschland und der Ukraine teilnehmen könnten!

    Die Rafinessen der Sprache

    Vielleicht haben es einige unter Ihnen bereits bemerkt: Ich habe seit gestern eine andere Schreibweise von Swetlana Barabash / Switlana Barabasch verwendet. Jetzt weiss ich endlich, wie unser Gast richtig geschrieben wird. Nämlich je nach dem:

    Schreibweisen S. B.

    Können Sie sich ungefähr vorstellen, welche Probleme auf eine ukrainische Bibliothek zukommen, die

    1. zu einer eigenen Identität auch über ihre eigene Sprache und Schreibweise in ukrainischem Kyrillisch finden möchte?

    2. dennoch mit Russland als nächsten Nachbarn und wegen des hohen Anteils an russischsprachigen Einwohnern in russischem Kyrillisch korrespondieren muss?

    3. sich international auf Englisch verständigen muss, um nicht von der restlichen Welt abgeschnitten zu werden?

    4. sehr viele und gute Kontakte zu deutschsprachigen Ländern (und Bibliotheken) hat, begründet auch in einer gemeinsamen Historie?

    Ich habe jetzt eine kleine Ahnung von den technischen Schwierigkeiten einer ukrainischen Bibliothek, die es in Bezug auf Datenaustausch, Internet, Kooperationen, Schriftverkehr, usw. geben muss. Was für mich kaum vorstellbar ist, ist für die Ukraine täglich Brot.

    Unser Ausflug zur Burg Rötteln: ein Nachtrag

    Bemerkt? Ich habe ein Bild zu unserem Tagebuch-Gesamtüberblick hinzugeschmuggelt. Es ist die Burg Rötteln in Lörrach unweit von Basel, im Markgräflerland im badischen Land in Baden-Württemberg. Nun wissen Sie es ganz genau.

    Zu dieser großen Burganlage sind wir hinauf gestiegen, nach dem ersten Tag der Leitbild-Inhouse-Veranstaltung am 29.05. in der Gemeindebücherei Efringen-Kirchen.

    Ein herrlicher Rundumblick belohnte unsere Mühe. Und gut, dass wir durch unseren abendlichen Besuch keine Führung mehr durch das Folterkammermuseum bekommen haben. Wer weiss, wie sich Switlana gefühlt hätte beim Anblick von Daumenschrauben und Streckbänken, die sie sicher an die fatale Finanzsituation in den ukrainischen Bibliotheken erinnert hätte.

    So. Der heutige Feiertag war eine prima Gelegenheit, Interessantes, Anmerkenswertes und Nachträgliches zum Projekt zu erzählen. Inzwischen sind meine zwei Ausflügler aus Bamberg zurückgekommen. Und das haben sie alles gesehen: den Michelsberg, den Dom, das traditionsreiche Gasthaus zum Schlenkerla, die Pegnitzauen, die Obere Pfarr, den Rosengarten, den Alten Kranen, den Biergarten im Greifenklau und Schloß Geyerswörth und vieles mehr.

    Da kann es morgen also wieder so richtig ans Lernen gehen!

    gez. Ilona Munique, in Abwesenheit von Switlana Barabasch

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    Fr., 02.06.

    Ilona

    Hallo, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Sie erinnern sich vielleicht: bevor wir nach Efringen-Kirchen gefahren sind, um dort in der Gemeindebücherei einen Leitbildprozess zu beginnen, übte Switlana als Vorbereitung dazu das Erstellen eines Stärken-Schwächen-Profils anhand ihrer eigenen Bibliothek des Kiewer Polytechnischen Instituts (KPI).

    Nach der jetzt also abgeschlossenen Stärken-Schwächen-Analyse des KPI-Beispiels hatte Switlana mit der Prioritätensetzung zu kämpfen. Alles war beinahe gleich wichtig für sie, gerne hätte sie fast allen Stärken, mehr noch allen Schwächen höchste Priorität eingeräumt. Durchaus verständlich für mich.

    Was dann nach der mühsamen Prioritätensetzung noch übrig blieb, beschrieb ein sehr eindeutiges Bild der starken Seiten und der großen Probleme, die die KPI-Bibliothek besitzt. Doch allen Problemen zum Trotz spricht es für Frau Switlana Barabasch, dass sie den spontanen Ausruf tat: >>Oh, ich lieben meine Bibliothek!<<, und ich wünschte mir in diesem Moment, ihrem Direktor sagen zu können, wie recht er tat, dieser Kollegin die teuere Reise nach Deutschland mit ermöglicht zu haben!

    Danach schickte ich Switlana in den dunklen Keller. Warum, das erzählt sie Ihnen selbst.
    gez. Ilona Munique

    Switlana

    Guten Tag, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Heute hat mich Frau Munique in den Keller geschickt. Weil, es war sehr kalt und dunkel und ohne bequemen Stuhl und Tisch zum Schreiben. Das ganz Absicht war diese Stimmung, denn ich soll beschreiben meine Horrorbibliothek.

    Dann ich gehen in den schönen und sonnigen Garten. Dort ich beschreiben meine Traumbibliothek. Das war eine gute Übung, ich sehe, wie meine Traum ist, ich sehe, was getan muss werden, diese Traum zu erreichen. Und was getan, diese Horror nicht zu erleben müssen.
    Interessante Experiment oder Trick, assoziative Portret von Horror- oder Traumbibliothek.

    Aber vor Erleben mit schreckliche Keller und schöne Garten, ich mache fertig Stärken-Schwächen-Analyse für Beispiel KPI, meine Bibliothek. Ich habe kleine Problem, aber es ist nur Übung, ich vergesse manchmal. Kleine Problem ist, dass ich nicht wissen kann, wie sehen andere meine Bibliothek, mir fehlen die Fremdbild-Analyse, das Ergebnis Nutzer/Nichtnutzerumfrage. Wenn ich schreiben, dass Bibliothek KPI große Qualität Auskunftsabteilung hat, ich kann nicht wissen, ob das so sehen auch die Leute, die kommen und uns fragen nach Information.

    Ich überlege weiter: was mache ich mit dem Sollzustand für Zukunft? Wie ich kann mit das Ergebniss weiter arbeiten? Das ich werde noch erfahren, wenn Leitbild ganz fertig, und wir dann machen Zielplanung.

    Was meine Erkenntnis ist von Selbstbild-Analyse: In Leitbildprozess definieren (oder bestimmen, stellen fest) wir eine neue Qualität von Bibliothek, die bekannt ist, aber es ist uns wohl nicht zu Ende bewußt.

    Das Bibliothek eine einmalige Ort für das Bücher entleihen und für Informationsdinstleistungen ist, das Bibliotheken eine Monopol hat, konkurrenzlos ist.

    Eine gute Gedächtnis! (Erl. I.M.: Ein guter Gedanke!)
    gez. Switlana Barabasch

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    Sa., 03.06.

    Ilona

    Ein schönes und sonniges Wochenende, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Ganz einfach ist es ja nicht, die komplexen Zusammenhänge von Kommunikation verständlich zu machen, wenn man nicht dieselbe sprachliche Grundlage hat. So war es denn vorauszusehen, dass ich mit all dem, was ich Switlana gerne über verschiedene Kommunikationsmodelle und -muster erzählen wollte, (für mich) nicht zufriedenstellend fertig wurde. Ein Vormittag ist einfach zu kurz. Aber wir wollen gerne Nachsitzen. Mal sehen, welchen freien Abend wir opfern werden.

    Switlana hat, so stelle ich immer wieder fest, viel Einfühlungsvermögen. Das, was sie vielleicht sprachlich nicht vollkommen versteht, interpretiert sie durch aufmerksames Zuhören und -sehen, erkennt sie an meiner Stimmmodulation, an meinem Ausdruck.

    Als wir heute ihren Tagebucheintrag durchsprachen, hat sich dieser Eindruck von ihr bestätigt. Ich konnte mit Erleichterung festgestellen, dass sie mich nicht nur verstanden, sondern sogar noch mit den erlernten Inhalten gedanklich weitergearbeitet hat. Und das an einem so herrlichen heissen Sommernachmittag, der eigentlich für ihre Freizeit vorgesehen war!
    gez. Ilona Munique

    Switlana

    Schönen Sonnentag, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Heute beschäftigen wir uns nur mit einer Theorie. Aber diese Theorie hat eine direkte Verbindung mit ganz praktische Charakteristik von eine Moderator(in): Kommunikation.
    Das ist sehr wichtige Moment für Leitbildprozess, und für andere Maßnahmen, wie zum Beispiele für die Verhandlungen, die Gespräche, die Beratungen, die Konferenz. Es ist für das Ergebnis notwendig, zu sehen, wer sitzt da, was für eine Mensch mit welcher Selbsteinschätzung, mit Selbstbilddarstellung? Wie ist seine Ausdruck? Muss ich interpretieren als Moderatorin dieses Mensch für andere in der Gruppe, manchmal?

    Und: Wie stellt sich eine Moderatorin oder Moderator selbst dar? Das lebendige Gesicht oder eine kalte Maske? Die interessante Persönlichkeit oder funktionale Subjekt?

    Das Lächeln, Mimik, Gestik, Stimme, Kleidung können die Taktikelemente sein. Vielleicht, sogar persönliche Scharm. So beginnt Image. Ich verstehe.

    Imagepflege geht von den äußere Elementen in Kommunikation (Mimik, Gestik, Sprache usf.) über zu sozialen Einwirkungsfaktoren (Verhalten, Klima, Beeinflussen, usf.) Doch sehe ich, das Thema Kommunikation geht fort immer weiter, ist eine große Feld. Ich möchten gerne mehr darüber erfahren.
    gez. Switlana Barabasch

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    So., 04.06.

    Ilona

    Liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Um 8 Uhr also Abfahrt nach Efringen-Kirchen. Im Gegensatz zu unserer letzten Fahrt auf der selben Strecke hatten wir jetzt strahlenden Sonnenschein. Unser Reisegefährt, ein braver VW-Golf, ist zwar klein und alt, verfügt aber über einen Himmel, sprich: ein Sonnenverdeck. Außerdem ist er weiß, welch Glück bei der Hitze. (Und Switlana sagt: Auto bequem wie Schlafzimmer!)
    Gegen 16 Uhr parkten wir am Badischen Bahnhof in Basel und fuhren mit der 6-er Trambahn ins Zentrum. Und nun der historische Augenblick für Switlana: Sie sieht zum ersten Mal den deutschesten aller Flüsse, den Rhein! Darauf hat sie sich schon sehr gefreut.

    Um es kurz zu machen: Basel war ein herrliches Erlebnis, wir hatten einen sehr schönen langen Nachmittag und Abend, gekrönt von einer halbstündigen Schiffsfahrt, die drei Länder berührte: Schweiz, Frankreich, Deutschland.

    Mit einem späten Nachtmahl im (uns bereits bekannten) Gasthaus Rebstock, wo ich endlich auch ein paar Familienfotos von Switlana zu sehen bekam, schloss der Beinahe-Urlaubstag für uns. Und wir sind fit für den morgigen Leitbildabschlusstag der Bücherei Efringen-Kirchen.
    gez. Ilona Munique

    Switlana

    Schönen Tag, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Heute war sehr lange und bunte Tag. Das Wetter hat gelächelt wie die Leute am Wochenende (so sagt man bei uns zuhause). Wir haben auch erholt, aber waren auch sehr aktiv. Zuerst 500 km Fahrt mit dem Auto nach Efringen-Kirchen und Basel.
    Während der Reise habe ich Interessantes beobachten können. Was nehmen die Deutschen mit auf die Erholung? Tausend und eine Sache! Räder, Pferde, Oldtimer-Autos, Schiffe, oder z.B. Ilona nimmt eine Bibliothekarin aus Ukraine mit!

    Und nun bekomme ich Basel gezeigt, noch ein Ausland für mich. Ich bin entzückt! Die zahlreichen Brunnen, die schönen Häuser, und wieder viele freundliche Leute.

    Aber gibt es eine Hauptschatz, der mehrere Länder gehört: der Rhein! Wir haben auch eine sehr große Fluss in Ukraine, durch Kiew. Dnepr er heisst. Darauf man kann sogar mit Segelschiffe bis Schwarzmeer fahren. Nun ich weiss, auch Deutschland hat großen Strom, und hat noch Donau und Main, was auch sehr große Flusse ist. Und unsere Flußreise auf kleinem Schiffchen war perfekt. Ich möchte sehr gerne noch spazierengehen, trotzdem: morgen wartet Leitbild auf uns.
    gez. Switlana Barabasch Zurück zum Seitenanfang

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    3. Woche, 05. - 11. Juni 2000


    Mo., 05.06.

    (zurück zum Di., 06.06.)

    Ilona

    Guten Tag, Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Dies ist dritte Tag und letzte Tag für das Erstellen eines Leitbildes in der Bücherei Efringen-Kirchen. Alles wartet schon gespannt auf die Fortsetzung von letzter Woche.

    Angefangen haben wir mit dem Bestimmen der künftigen Zielgruppen der Bücherei. Dazu habe ich einiges an theoretischem Grundwissen u.a. über die Marktanalyse und allgemeine Hinweise zur Fremdbildanalyse sowie zur Verwendung des Bevölkerungsspiegels vorausgeschickt.

    Dann ging es auch schon richtig los mit dem Sammeln von Stichwörtern zum ersten Teil der Leitbildschwerpunkte.

    Das Team der Bücherei war so unglaublich fit, dass es Ihnen gelang, eine Stoffsammlung von kombinierten Stichwörtern zu drei Leitbildschwerpunkten auf einmal zu erstellen. Sie verknüpften also beispielsweise die Leitbildschwerpunkte Zielgruppe, Daueraufgaben und Qualitätsaussagen in einem Arbeits, bzw. Diskussionsdurchlauf.

    Nicht unbedingt das übliche Vorgehen, dennoch habe ich mich als Moderatorin darauf eingelassen, und das Ergebnis war eindeutig logisch, nachvollziehbar und stimmig. Bei der anschließenden Besprechung der Ergebnisse nahmen wir allerdings die Stichwörter den Leitbildschwerpunkten gemäß wieder auseinander, klopften sie auf ihre Bedeutung hin ab und kontrollierten sie hinsichtlich der ausgewerteten Stärken-Schwächen-Analyse.

    Nun, wenngleich ich auch dachte, dass das Team durch das Kombinieren der Stichwörter Zeit gewonnen hätte, so wurden wir alle eines Besseren belehrt. Wir saßen tatsächlich bis nach 20 Uhr zusammen, um die restlichen Leitbildschwerpunkte Zukünftige Vorhaben (Innovation), Finanzierung, Preise (Gebühren), Organisations-, Personal- und Führungsgrundsätze sowie Öffentlichkeit zu bearbeiten, und um dann im Anschluss das Leitbild vollständig fertig zu formulieren.

    Wo war die Zeit nur abgeblieben?

    Lag es an der längeren Mittagspause, die wir uns gönnten, da wir zwei nette junge Frauen aus der Heimat von Switlana mit als Gäste hatten? Marina aus Sumy (Ukraine) und Aljena aus Abakan (Russland) sind nach Efringen-Kirchen als Au-pair-Mädchen gekommen, und sie sind eifrige Nutzerinnen der Bücherei. Als nette Geste für Switlana wurden die beiden eingeladen, damit Switlana endlich einmal wieder, nach über zwei Monaten, in ihrer eigenen Sprache plaudern konnte.

    Oder lag es am überraschenden Besuch des Hauptamtsleiters Herrn Walter Silbereisen, der in Vertretung des urlaubenden Bürgermeisters (Herrn Fürstenberger) Switlana Barabasch als Gast herzlich willkommen hieß?

    Egal, wir sind fertig geworden! Und es ist ein absolut überzeugendes und gelungenes Leitbild geworden. Wenn Sie es, verehrte Tagebuchleserinnen und -leser, gerne sehen möchten, erkundigen Sie sich bitte bei der Bücherei Efringen-Kirchen direkt, telefonisch unter 0 76 28 / 8 06 - 60 oder per Mail.
    gez. Ilona Munique

    Switlana

    Guten Tag, liebe Kolleginnen und Kollegen!
    Guten Morgen, (kleine aber feine) Bibliothek von Efringen-Kirchen und Deine freundschaftliche Team mit Frau Blum!

    Heut ist lange Arbeitstag, sehr konzentriert und intensiv. Ich bin müde wie nie.

    Sehr geehrte Kolleginnen! Sie alles zusammen mit Moderatorin haben mir wichtigste Moment verstehen geholfen. Heute habe ich gesehen, wie das gesammte Kollektiv spürbar zusammengearbeitet hat. Ich sehe, dass Stärken-Schwächen-Analyse viel Individuellarbeit ist, Leitbild formulieren aber nur zusammen gesprochen werden kann. Niemand Chef, niemand gibt alleine vor, und alle machen nach, nein, es ist, alle machen mit. Das ist für mich neu. Das ist revolutionär vielleicht auch für ukrainische Bibliotheken? Und ich sehe erwartetes Ergebnis. Bravo Ilona! Bravo, Frau Blum und Frau Schaffhause, Frau Herr und Frau Stechlin! Grosse Arbeit und grosse Ergebnis! Und Danke schön für viele Überraschungen für mich.
    Das Buch gegeben von Herrn Silbereisen über das schöne Efringen-Kirchen-Land ist großes Geschenk, und Danke für nette Begrüßung in diese Haus von Ihnen. Ich fühle mich sehr geehrt.

    Danke schön für große Gastfreundschaft von Büchereiteam, ich werde mich immer gerne an das alles erinnern!
    gez. Switlana Barabasch

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    Di., 06.06.

    Ilona

    Switlana

    Hallo, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Auf der Heimfahrt haben wir uns über den gestrigen spannenden und ergebnisreichen Leitbildprozess unterhalten, der in der Bücherei Efringen-Kirchen stattgefunden hatte.

    Wir haben zudem ein neues Wort gefunden: Wir machen zusammen eine Arbeitskur. Wir finden es, außer dass wir manchmal wirklich recht müde ins Bett fallen, toll, dass wir uns einem Arbeitsthema absolut ausführlich und intensiv widmen dürfen, und uns nicht viel davon abzulenken vermag. Eben eine Arbeitskur.

    Bei all den interessanten Gesprächen während der Fahrt habe ich doch glatt eine Ausfahrt verpasst. Erst, als ich den Flughafen bei Stuttgart passierte, ist mir mein Fehler aufgefallen. Schade, dass hat uns natürlich Zeit gekostet. Wir sind reichlich müde angekommen, und haben deshalb entgegen unserem ursprünglichem Plan erst wieder um 18 Uhr weitergemacht. Wir werden die fehlenden Stunden mit Nachsitzen nachholen müssen. >>So ist das Leben<< (einer unserer häufigeren Sprüche von Switlana und mir, zudem unser kleiner Privatwitz ;-)

    Und weil es gestern so spät wurde, habe ich Switlana das Tagebuchschreiben für diesen Reisetag ausnahmsweise erlassen. Sie hätte Ihnen aber sicher davon erzählt, dass wir unterwegs die sehr sehenswerte Autobahnkirche Baden-Baden besichtigt haben. Und dass Deutschland für sie in der Wirklichkeit noch schöner ist, als sie es in den Büchern des Goethe-Institus in Kiew gesehen hat.
    gez. Ilona Munique, in Absprache mit Switlana Barabasch

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    Mi., 07.06.

    Ilona

    Switlana

    Hallo, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Dieser Tag war zu gleichen Teilen dem Thema Moderationstechnik und dem Fertigstellen des Leitbildes der KPI-Bibliothek gewidmet.

    Switlana hat nun in Efringen-Kirchen (siehe frühere Einträge) hautnah erlebt, wie ein Leitbild-Prozess ablaufen kann. Nach diesem Muster sollte sie ihr begonnenes Leitbild für die KPI-Bibliothek fertigstellen.

    Sie füllte also alle Leitbildschwerpunkte mit Stichwörtern, soweit sie es aus ihrer einsamen Einzelsicht heraus konnte. Dabei rief sie sich immer wieder verschiedene Moderations-Situationen vor Augen, die während eines echten Leitbildprozesses in ihrer Bibliothek eintreten könnten.

    Diese möglichen Moderations-Situation besprachen wir ausführlich und überlegten uns Lösungen dazu. Ein Beispiel:

    Wie soll ich mich als bibliotheksinterne Moderatorin verhalten, wenn ich eine für mich sehr wichtige Idee zu einem Leitbildschwerpunkt einbringen möchte?

    Meine Antwort: Ganz klar sollte es ihr sein, dass sie in der Regel nicht mitdiskutieren kann, wenn sie gerade selbst die Moderation inne hat.
    Hier wäre es gut, wenn Switlana vor dem Beginn des Prozesses eine Absprache mit einem Kollegen, einer Kollegin trifft, dass diese(r) im Bedarfsfalle die Moderation übernehmen kann. Dann kann Switlana im Kreis der Kolleginnen und Kollegen Platz nehmen und mitdiskutieren. Sobald das Thema genügend zur Sprache gekommen ist, tritt sie wieder aus dem Kreis zurück und übernimmt erneut die Aufgabe der Moderation.

    Wichtig: Vorher sollte eine kleine Pause eingelegt werden, damit der Rollenwechsel nicht zu Irritationen auf beiden Seiten führt. Möglich wäre es auch, von Anfang an eine Co-Moderatorin einzuplanen. Dies erfordert allerdings ein sehr gutes Zusammenspiel und sollte ohne ausreichende Kenntnisse von Moderationsvorgängen und -techniken nicht an einer solch komplexen Situation, wie es das Erstellen eines Leitbildes darstellt, ausprobiert werden.

    Ein weiterer Schwerpunkt der Moderation, den wir an den Beispielen Efringen-Kirchens und der Stadtbibliothek Sindelfingens (einer ehemaligen Leitbild-Kundin) besprachen, war die Zeitplanung. Für die ukrainische Situation sehr wichtig, denn dort hat man ein anderes Verhältnis zu Zeitvorgaben und -planungen.

    Ein Rechen-Beispiel für Zeitplanung, der Realität entnommen:

    Von vereinbarten 8,5 Stunden Arbeitszeit (8.30 - 17.00 Uhr) können gerade einmal 5,5 Stunden als effektive Seminarzeit für die Vermittlung von Inhalten genutzt werden.

    Die restlichen drei Stunden entfallen auf Begrüßung, Vorstellung, Organisatiorisches, Pausen und Unvorhergesehenes wie technische Störungen, überraschende Besucher und Gäste, ungeplante Bibliotheksbesichtigungen, usw.

    Die Zeiten sollten unbedingt vorher genau besprochen und kalkuliert werden, denn wenn die Zeit nicht ausreicht, dann trägt die Moderatorin dafür die Hauptverantwortung.

    Und nun ein schöner Abschluss des Tages: Switlana hat ihr erstes Leitbild erstellt, ein fingiertes Leitbild für ihre KPI-Bibliothek! Herzlichen Glückwunsch!

    Da wir zum Ausformulieren aufgrund der sprachlichen Anforderungen etwas mehr Zeit benötigten, haben wir nach dem Abendessen einige Sonderstunden eingelegt. Switlana wollte unbedingt noch am gleichen Tag ihr Leitbild fertig haben.

    Und so kommt es, dass wir Ihnen, verehrte Tagebuchleserinnen und -leser, heute ebenfalls keine Tagebuch-Eintragung von ihr selbst anbieten können. Denn irgendwann muss Switlana ja auch schlafen. Ich denke aber, sie wird ihre Gedanken zum heutigen Thema nachreichen.
    gez. Ilona Munique in Absprache mit Switlana Barabasch

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    Do., 08.06.

    Ilona

    Willkommen, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Heute hatten wir so zusagen ein Heimspiel, denn hier in Nürnberg bin ich aufgewachsen. Die eingehenden Kenntnisse über diese schöne Stadt nutzte ich weidlich aus, um meinem Gast möglichst ALLES Sehenswerte buchstäblich zu Füßen zu legen. Das waren einige Kilometer, und alles, was wir heute abend noch so eben geschafft haben, ist unser Tagebuch. Aber der Reihe nach:

    Die Georg-Simon-Ohm-Fachhochschul-Bibliothek(en)

    Um 10 Uhr erwartete uns zunächst Frau Christine Knab, die stellvertretende Leiterin der Fachhochschul-Bibliothek, in der Zentralbibliothek am Keßlerplatz, unweit der Wöhrder Wiese.

    Während sie uns durch den Lesesaal und den Informationsraum führte, ergaben sich interessante Gespräche u.a. über die Unterschiede von deutschen und ukrainischen wissenschaftlichen Bibliotheken.

    In der Ukraine ist es üblich, bis zu 200 Staffelexemplare (Beispiel KPI-Bibliothek) eines Lehrbuches für Studenten anzuschaffen. In etwa sind 70 - 80% der Studenten eines Semesters mit dem gleichen Buch ausgestattet. Im Gegensatz dazu schafft die FH-Bibliothek im Einzelfall vielleicht bis zu 30 Bücher an, zugunsten einer breiteren Titelauswahl.

    Der größte Unterschied zwischen den Ländern: Die (beinahe) reine Thekenbibliothek der Ukraine und die (überwiegende) Freihand-Aufstellung in Deutschland.

    Was in beiden Ländern gleich ist: der typische Geruch des Archivs, in welches wir geführt wurden. Zwischen diesen engen Regalen zu arbeiten, um durch vehemente Aussonderungsaktionen wieder Platz zu schaffen, stellten wir uns als eine Tortour vor. Die Zeit, in den interessanten alten Mappen und feingebundenen Lederausgaben zu schmökern, blieb leider damals bei dieser dringenden Aktion nicht, erfuhren wir von Frau Knab.

    Die Teilbibliothek

    Platzmangel ist denn auch in der Teilbibliothek (auf der anderen Seite der Wöhrder Wiese) festzustellen, die wir auf Anraten Frau Knabs noch aufgesucht hatten.

    Diesem Platzmangel möchte man gerne durch einen (schon lange geplanten) Neubau begegnen, so Frau Dr. Konstanze Wendt-Riedel, die Leiterin der Teilbibliothek, die uns spontan ihre Mittagspause opferte, um uns herumzuführen. Doch leider wird der Bau immer wieder verschoben, und die Zwischenlösung, die man für die Teilbereiche Betriebswirtschaft und Sozialwissenschaft durch Unterbringung in ehemalige Hörsäle gefunden hat, scheint zum leidigen Dauerzustand zu werden.

    Dennoch ist es eine freundliche Bibliothek. Dieser Eindruck wird im hohen Maße hervorgerufen durch das sehr nette und hilfsbereite Personal.

    Eine kleine Besonderheit der Teilbibliothek ist das so genannte Selbstlernzentrum (SLZ), welches ehemals vom Teilbereich Betriebswissenschaft initiiert und aufgebaut wurde, und inzwischen wegen Personalmangels von der Bibliothek betrieben wird.

    Diese hatte zwar ebenfalls nicht viel Personal übrig, dennoch hat sie die Chance ergriffen, dieses tolle Angebot eines Selbstlernzentrums für ihre LeserInnen anzunehmen und zu nutzen. Im SLZ kann man sich an einen der acht PC-Terminals setzen und mittels ausgesuchter CD-ROMs und Datenbanken, vor allem zu den Bereichen BWL, lernen, mit den Datenbanken und den Themen umzugehen. Ebenso kann man im gleichen Raum ausgewählte Videos, zumeist Lernprogramme zu Themen der BWL, ansehen. (Natürlich kommt der Ton über Kopfhörer.)

    Es waren also zwei sehr interessante Bibliotheks-Besichtigungen für uns.
    Ich bedanke mich an dieser Stelle recht herzlich bei Frau Knab und Frau Dr. Wendt-Riedel sowie ihren Teamkolleginnen für die Aufmerksamkeit, mit der sie unserem Gast, Frau Barabasch, ihr Haus gezeigt haben.
    Ich hatte im letzten Jahr in Kiew ebenfalls sehr freundliche Führungen erleben dürfen, und bin deshalb froh, diese erfahrene Gastfreundschaft mit Ihrer Hilfe erwidern zu dürfen.

    Die Stadtbibliothek Nürnberg

    Der Wissens- und auch der Kaffeedurst veranlassten uns ganz spontan, auf unserem Weg in die Altstadt die Hauptstelle der Stadtbibliothek zu besuchen.

    Reger Betrieb herrschte hier, und die Videokamera Switlanas surrte und surrte. Alles wurde aufgenommen, vom Drahtkorb zum Transportieren der ausgesuchten Medien (Sie erinnern sich: Freihandaufstellung mit Selbstbedienung ist eine relativ unbekannte Bibliotheksform in der Ukraine!) über die Verbuchungstheke und den Schließfächern für Motorradhelme bis hin zur Schultütendekoration der Kinder- und Jugendbibliothek.

    Im idyllischen Klosterhof der Bibliothek, der vom Zeitungscafe aus gastronomisch bedient wird, erholten wir uns mit einem kleinen Mittagsimbiss von all den vielen Eindrücken. Nicht zu lange, denn wir wollen ja noch mehr von Nürnberg sehen.

    Das Cinecitta

    Gegenüber der Stadtbibliothek steht ein großer Kinokomplex, der architektonisch überaus gelungen ist. Von außen ist nicht zu erkennen, dass hier 15 Kinosäle betrieben werden, und ein weiterer ist gerade im Bau (eine gigantische Baustelle, denn es wird ein Saal der besonderen Art). Direkt an der Pegnitz gelegen, mit wundervollem Blick auf die Burg, bietet der Komplex außer Kinos auch gastronomische Inseln an, die entgegen dem üblichen Multiplex-Trend mit gemütlichen und bequemen (!) Holzstühlen ausgestattet sind. Naja, wir können nicht überall ein Päuschen machen.

    Die Lochgefängnisse

    Einzelheiten erspare ich Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser! Kommen Sie einfach selbst hier herunter, und bringen Sie einen guten Magen mit.

    Switlana hat hier visualisiert bekommen, was ich ihr einmal beschrieben hatte in Bezug auf die Steuersituation in Deutschland. Damals konnte sie mit dem Bild noch nicht so viel anfangen: die Daumenschrauben angesetzt zu bekommen.

    Das Fembohaus

    Das Stadtmuseum Fembohaus ist nach drei Jahren Renovierungsarbeiten neu eröffnet worden. Das Museumskonzept überzeugt durchaus. Hier sind wir durch die Räume des einzigen völlig erhaltenen Bürgerhauses der Spätrenaissance- und Barockzeit Nürnbergs geführt worden, und zwar mittels Dia, Video, Ton und kundigen Museumswärtern. Leider war die Zeit viel zu kurz, um sich länger mit der reichen Geschichte Nürnbergs zu befassen.

    Falls Switlana an ihren wenigen freien Tagen nichts Besonderes vorhaben sollte, und sie sich auch nicht von mir erholen muss, werde ich sie bitten, mir wieder die Gelegenheit zu geben, Ihr mein Nürnberg zu Füßen zu legen. Ich habe dazu übrigens einen fiesen Trick angewandt, HA! Ich habe ihr noch nicht die Kaiserburg gezeigt! Sie MUSS einfach nochmal mit mir mit!
    gez. Ilona Munique

    Switlana

    Ich wünsche einen schönen Tag, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Heute

    Heute habe ich eine Rekordzahl Bibliotheksbesuche in Deutschland erreicht: Drei Bibliotheken an eine Tag! Und nicht irgendwo, sondern in geliebte Stadt von Ilona Munique, in Nürnberg.

    Ich bin dankbar allen meinen Gastgeberinnen der Bibliotheken, die wir besucht. Sehr freundliche Leute, auch ich weiss, dass nicht viele Zeit für Spazieren durch Bibliotheksräume sie haben. Sehr nett, und ich erzähle in Ukraine alles nur gutes von Ihnen! Vielen Dank!

    Ich will schreiben, was ich heute erlebt habe. Das war sehr viel. Und ich sehe, Frau Munique hat alles so sehr beschrieben, ich werde nicht so viel mehr schreiben. Mein Kopf und meine Filme und meine Foto sind voll von schönen und interessanten Bildern. Schade, dass ich nicht stellen kann alles in Internet, damit alle daheim sehen können, wo ich heute bin gewesen.

    Mein Ehrenwort: ich verliebe in Nürnberg für immer! Vielleicht, weil es so schönes Wetter? Nein, ich glaube, weil es eine sehr lebend und aktive Stadt ist. Nicht nur schönes Butzenscheibe (schreibt man so richtig?) und bayrische Specialität, Bratwursten, sondern auch Stadt für Leben heute. Ich habe gesehen moderne Skulpturen vor idillischen Marktplatz, habe gesehen neue Häusern und historische und alles gut passt miteinander.

    Gestern

    Für gestern, ich muss noch nachtragen. Frau Munique hat Ihnen versprochen, also ich trage jetzt ein bisschen nach.

    Am Mittwoch hat Ilona mir kleine Geheimnisse von eine erfahrene Moderatorin erzählt. Zum Beispiel:

    Wie kontrolliert und bestimmt sie ihre Zeit in Leitbild-Prozess, sogar die kleine und große Kaffeepause?

    Wie plant sie alles, vorsieht die ganze Organisation?

    Welches Material sie vorbereitet und einsetzt?

    Ein guter Gedanke mehr für Vorbereitung ist gut für Ablauf und Konzentration. Unrichtige Zeitablauf und schlechtes Material stört wichtige Prozess. Gute Vorbereitung hilft Moderatorin auf ganze Konzentration, die braucht für Wichtigestes, für Prozess selbst. Ich bin überrascht, wie wenige Zeit ist für Inhalt. Viele Zeit für andere Sache wie zum Beispiel Begrüßung, Pause längere als angesagt ist, Unterbrechen von andere Personen, usw. Ja. Aber so ist das auch bei uns in der Ukraine.

    Um 22 Uhr haben wir noch ein Ergebniss bekommen. Das ist ein Übungsvariante von Leitbild, von meine liebste in ganze Welt: wissenschaftliche-technische Bibliothek KPI. Ich bin stolz auf meine Bibliothek! Ich habe viel nachgedacht über unsere wichtige Aufgaben, über unsere Leistung, über unsere Zukunft usw. Ich bin sicher jetzt, das ist möglich Leitbild erstellen in meine Heimat Ukraine!
    gez. Switlana Barabasch

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    Fr., 09.06.

    Ilona

    Grüß Gott, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Die Landesfachstelle für das Öffentliche Bibliothekswesen München

    Um 10 Uhr erwarteten uns Herr Klaus Dahm, der Leiter der Landesfachstelle, sowie Frau Anette Niggl in der Kaulbachstraße, unweit der Bayerischen Staatsbibliothek.

    Zunächst erläuterte Herr Dahm die früheren und heutigen Aufgaben und Aufgabenschwerpunkte der Landesfachstelle. Durch die im letzten Jahr stattgefundene Umorganisation der Fachstelleneinrichtungen in Bayern, hervorgerufen durch massive Sparpläne des Landes, haben sich natürlich manche Veränderungen ergeben.

    Die heutigen Schwerpunkte der Landesfachstelle liegen in der

  • Aus- und Fortbildung von haupt-, neben- und ehrenamtlichen Bibliotheksmitarbeiter/-innen,
  • in der Bau- und Einrichtungsberatung bei Gründung oder Auf- und Ausbau von Öffentlichen Bibliotheken (die von keiner anderen Institution in dieser Form angeboten wird),
  • bei Fragen zu Bestandsaufbau und -pflege sowie bei allen organisatorischen Fragen,
  • bei Fragen zur Einführung von EDV,
  • in der Information über und der (planvollen) Verteilung von Landesmitteln an die Bibliotheken,
  • in der Bearbeitung und Weiterleitung der hier einlaufenden Leihverkehrsbestellungen der über 2.000 Bibliotheken (das sind ca. 15.000 Bestellungen im Jahr)

    Natürlich gibt es darüber hinaus noch einige andere Aufgaben zu erfüllen, wie z.B.

  • die Fortbildung der Bibliotheksbetreuer von Gymnasialbibliotheken, die an der Bayerischen Verwaltungsschule stattfindet,
  • den jährlichen Aufbaukurs in Freising für die neben- und ehrenamtlichen Bibliotheksmitarbeiter/-innen,
  • die Beratung von Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie anderen kommunalen Finanz- und Entscheidungsträgern,
  • die Mitarbeit in Kommissionen und Gremien,
  • die Koordinationsaufgaben in Bezug auf die angegliederten Fachstellen Nürnberg, Würzburg und Regensburg,
  • die Haushaltsbuchführung,
  • verschiedenen Verwaltungsaufgaben,
  • Webseitenpflege und Öffentlichkeitsarbeit,
    u.v.m.

    In der Landesfachstelle München arbeiten 13 Kolleg/-innen, in allen 4 Fachstellen zusammen sind das 34 Mitarbeiter/-innen.

    Die Frage ist berechtigt, wie die vielfältigen und zeitintensiven Aufgaben bewältigt werden. Ich weiß es daher sehr zu schätzen, dass sich Herr Dahm und Frau Niggl trotz des engen Zeitbudgets einige Stunden für unseren Gast, Frau Barabasch, und für mich nahmen! An dieser Stelle noch einmal herzliches Dankeschön für die nette Aufnahme und für die Bewirtung!

    Die Bibliothek der Technischen Universität München

    Herr Dahm hatte uns freundlicherweise einen Termin für eine Besichtigung der Bibliothek der TU München in der Arcisstraße arrangiert, wo wir von Frau Claudia Sand, Teamleiterin der Auskunfts- und Informationsabteilung, um 14 Uhr erwartet wurden.

    Die TUB München ist ein Bibliothekssystem mit Hauptbibliothek und Magazin sowie 14 Teilbibliotheken verschiedener Fakultäten an mehreren Standorten (z.B. Freising, Garching und Weihenstephan), sowie 200 Lehrstuhlbibliotheken. Sie arbeitet mit 80 Personalstellen (inkl. Außenstellen).

    Die TUB hat im vergangenen Jahr einen Innovationspreis erhalten, und befindet sich in diesem Zusammenhang in einer organisatorischen und räumlichen Umbruchphase. Also auch hier wieder, wie in der Landesfachstelle, ein Früher, ein Heute, und vor allem ein In Zukunft.

    Besondere Veränderungen werden hinsichtlich der Organisationsform von hierarchischer Struktur zu autarken Team- und Arbeitsgruppen vorgenommen.

    In der Hauptbibliothek und in der Zweigbibliothek Weihenstephan sind ca. 95% der 1.800.000 Medien entleihbar, weitere 600.000 Medien befinden sich in den 14 Teilbibliotheken. Ca. 20.000 Leser/-innen sind eingeschriebene LeserInnen. Weitere Daten können Sie gerne den Webseiten der TUB München entnehmen.

    Zwei, nein drei! sehr interessante Besichtigungen für uns in München, der Landeshauptstadt Bayerns.
    Wer zählen kann, vermisst jetzt die Dritte. Nun, das war auch eine ganz unplanmäßige und daher leider eine nur sehr kurze Besichtigung, eigentlich eher ein Freundschaftsbesuch.

    Switlana hatte im vergangenen Jahr an einer ukrainischen Studienreise nach Bayern teilgenommen (siehe Die Neue Bücherei, 1999, H. 4-5, S. 357-358). Während dieser Reise hat sie/haben wir zwei Kolleginnen aus der Osteuropasammlung der Bayerischen Staatsbibliothek kennengelernt.

    In unserer Mittagspause, zwischen Landesfachstelle und Technischer Universitätsbibliothek, besuchten wir natürlich diese beiden Kolleginnen, Frau Chalkowa und Frau Gonschior. Es war, wie gesagt, ein sehr kurzes, aber herzliches Wiedersehen, mit dem Versprechen, den Kontakt weiterhin zu pflegen.
    gez. Ilona Munique

  • Switlana

    Grüß Gott, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Um 7.30 Uhr sind wir nach München abgefahren. In Hauptstadt von Bayern hat eine große Programm auf uns gewartet. Gut wir sind früh losgefahren, denn es hat gestaut und wir sind in Fröttmanning in U-Bahn umgestiegen.

    Zuerst um 10 Uhr hat Herr Klaus Dahm, Leiter Staatlichen Landesfachstelle, uns eingeführt. Ich habe viele nützliche und ausführliche Informationen über Aufgaben und Dienste von diese Institution bekommt. Herr Dahm hat die Arbeitsausstattung gezeigt und wir haben das Personal kennengelernt. Es ist Freitag, viele schon im Wochenende, daher leider nicht alle kenenngelernt. Ganz freundlich, er hat seine Beratungshilfe angebietet auch für meine Fragen, wenn ich wieder bin in Ukraine.

    Unsere Treffen hat mir eine gute Stimmung und eine Hoffnung gemacht, weil wir wie Partner sein können in Fragen Bibliotheken.

    Die Dienstleistungen sind nicht immer selbe wie deutsche, aber unsere Bibliothekswesen der Ukraine hat auch eigene gute Tradition.

    Verschiedenen Funktionen von Fachstelle erfüllen bei uns folgende Organisationen, welche sind überregional:

  • In Frage der Bibliotheksorganisation und -verwaltung öffentlicher Bibliotheken: die Nationale Parlamentsbibliothek der Ukraine (war Gastgeber von Ilona Munique letzten Jahr von ihre Seminar)
  • Die Fortbildungen: Ukrainische Akademie zur Fortbildung des Leiterpersonals für Kultur und Fertigkeit
  • Methodologiezentrumen von Bibliothekswesen sind: Stadtbücherei Lesja Ukrainka, Kiew, und Nationale Wissenschaftliche Bibliothek der Ukraine, und andere.

    Vielen Dank an Fachstelle für herzliche Empfang, für Brezen und für Fotografieren!

    Um 14 Uhr haben wir Führung durch Bibliothek Technische Universität München gehabt. Dieses Bibliothek ist wie Schwester zu meine Bibliothek Kiewer Polytechnische Institut (KPI). Frau Sand war sehr nett und hat ihre Besitzung demonstriert. Ich habe keine Schwierigkeiten gefühlt, ich habe alles ganz verstanden. Deshalb, weil wir gleiche Institution haben, meine Bibliothek und diese Bibliothek. Vielleicht Bibliothek KPI hat andere Software und Ausstattung, aber Aufgaben sind gleich.

    Manchmal ich verstehe nicht immer sofort was Probleme in öffentlichen Bibliotheken, was liegt nicht an Sprache (ich verstehe ALLES, fast). Aber Aufgabengebiete sind andere, deshalb andere Probleme, anderes Verständnis, Verstehennis.

    Um 12.30 Uhr haben wir meine bekannte Freundinnen besucht, Frau Gonschior und Frau Cholavka aus Abteilung Osteuropasammlung Bayerische Staatsbibliothek. Am voriges Jahr haben wir in München zusammen mit Ukrainische Bibliotheksgruppe getroffen.

    Entschuldigen Sie bitte für Überraschung, aber es war eine gute Möglichkeit für mich, Sie wieder zu sehen!

    Auf Rückweg ich habe gesehen Kirche, wo hat Ilona Munique geheiratet ihre Mann, Stephan Steiner, in Manching. Schönes kleines Kirchlein, von berühmte Architekt Olaf Gulbransson gebaut. Auch Bibliothek, worin hat Ilona einmal geleitet, haben wir angesehen von außen.

    Morgen habe ich frei. Ich will nach Nürnberg fahren, meine Traumstadt. Vielleicht kann sein es ist meine letzte Treffe mit ihr.
    gez. Switlana Barabasch

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  • Sa./So.,
    10./11.06.
    (Pfingsten)

    Ilona

    Ein geruhsames Wochenende, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Den Samstag nutzte Switlana zu einem erneuten Nürnberg-Besuch, und ich habe den Verdacht, ich habe einen echten Fan für meine Heimatstadt gewonnen.

    Gesehen hat sie diesmal das Neue Museum (für moderne Kunst), die frühgotische Lorenzkirche mit ihren berühmten Kunstschätzen, wie zum Beispiel dem Engelsgruß von Veit Stoß (1517/18), dem Sakramentshäuschen von Adam Kraft (1493-96) und der steinernen Fenster-Rosette, welche über 10 m Durchmesser hat.

    Das Ehekarusell, ein Brunnen von Jürgen Weber, hat Lachen und Staunen hervorgerufen. Es ist der größte europäische Figurenbrunnen des 20. Jahrhunderts (1984) und stellt thematisch ein Gedicht von Hans Sachs (einem berühmten Nürnberger Poeten und Schuhmacher) dar, in welchem das "bittersüße ehlich Leben" beschrieben wird.

    Den Pfingst-Sonntag verbrachte Switlana im Garten an schattigen Plätzchen, denn es war viel zu heiss und zu schwül für Aktivitäten. Eigentlich sollte sie nur ausruhen, doch immer, wenn ich nach ihr schaute, schrieb sie eifrig in ihren Heften und wiederholte Unterrichtsstoff von Prien a.C., wo sie vor ihrer Ankunft im WEGA-Haus zwei Monate lang intensiv Deutsch lernte.

    Da sie so eine fleissige Frau ist, übernehme ich für sie den Tagebucheintrag des Wochenendes. Mein eigenes Erleben ist kurz geschildert: Nachbereiten der vergangenen Woche, Vorbereiten Hilden, Aufarbeiten von Liegengebliebenem, und ab und zu ein Schwätzchen mit meinem Gast.
    gez. Ilona Munique

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    4. Woche, 12. - 18. Juni 2000


    Mo., 12.06.
    (Pfingsten)

    Ilona

    Einen schönen Feiertag, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Heute ist es etwas kühler, da es in der Nacht geregnet hatte. Ideales Ausflugswetter also für Switlana, mich und meinem Mann in die Fränkische Schweiz.

    Unsere Wanderung begann in Muggendorf (kurz nach Streitberg) und führte uns zunächst zur Rosenmüllershöhle, einer Tropfsteinhöhle versteckt im Walde. Dann ein kurzer, heftiger Anstieg nach Albertshof, wo wir mit einem herrlichen Blick über die sanften Hügel der Fränkischen belohnt wurden. Nach einem flotten Abstieg ins ruhige und romantische Aufseßtal nahmen wir in der Kuchenmühle einen kleinen Mittagsimbiss im schattigen Garten ein.

    Entlang dem Flüsschen Aufseß gelangten wir nach Doos, welches eines meiner persönlichen Lieblingsorte ist. Hier fließt die Aufseß in die Wiesent ein, der wir im weiteren Verlauf auch folgen werden. Doch vorher gibt es für uns in Doos (außer dem Kaffee und dem Eis, welches wir uns genehmigten) noch eine kleine Attraktion zu erleben, nämlich den Erlebnispfad für die Sinnesentfaltung. Switlanas Kommentar: Unglaublich, diese Deutschen!

    Über die Riesenversturzhöhle kletterten wir wieder auf die Anhöhe und schauten weit hinunter zum eben entlanggewanderten Wiesenttal. Engelhardsberg hinter uns lassend, kamen wir zum Quakenschlösschen, einer Durchgangshöhle, und zur Oswaldhöhle, ebenfalls eine Durchgangshöhle. Letztere allerdings ein ganzes Stück schauriger. (Wir hatten vorsorglich Kerzen dabei, Sie mussten sich also nicht um Switlana sorgen!)

    Jetzt war Muggendorf nicht mehr weit, wo wir uns in den Kohlmannsgarten unter eine uralte und breit ausladende Linde setzten und zu Abend aßen.

    Wir glauben, es hat Switlana sehr gut gefallen. Ihren Tagebucheintrag habe ich ihr wieder einmal erlassen. Die frische Luft und die Bewegung ließen sie bereits auf der Heimfahrt im Auto in den Schlaf sinken. Gute Nacht!
    gez. Ilona Munique

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    Di., 13.06.

    (zurück zum Di., 20.06.)

    (zurück zum Do., 22.06.)

    Ilona

    Guten Tag, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Genau zur Halbzeit Ihrer Schulungszeit im WEGA-Team wird Switlana Barabasch offiziell begrüßt von unserem Landrat, Herrn Albert Löhner.

    Der Landkreis Neumarkt/OPf. ist flächenmäßig der größte Landkreis in Bayern, und nicht nur aus diesem Grunde ist es ein tägliches kleines Kunststück des Sekretariats, alle anstehenden Termine in den Wochenkalender des Landrats unterzubringen.

    Doch unser Gast aus der Ukraine gehört hier augenscheinlich zu den so genannten V.I.P.s, denn Herr Löhner nahm sich für heute eine ganze Stunde Zeit zu ihrer/unserer Begrüßung und für einen anregenden Gedankenaustausch.

    Kontakte zur Ukraine, vor allem im Kulturbereich Musik, bestehen schon seit Herrn Löhners Zeit als Bürgermeister von Berching. Bei der Einweihung des Rhein-Main-Donau-Kanals vor einigen Jahren hatte Herr Löhner alle die Donau angrenzenden Länder zu einem großen Fest nach Berching eingeladen. Natürlich war dabei auch die Ukraine vertreten.
    Nun also mit Frau Barabasch, als Vertreterin der Bibliothek des Kiewer Polytechnischen Instituts (KPI) und als Verbindungsglied zum Goethe-Institut Kiew, ein weiterer Kontakt zwischen den beiden Partnerländern.

    Frau Barabasch überreichte dem Landrat einige interessante Broschüren über die Universität KPI und über ihre Bibliothek sowie Material über das Goethe-Institut mit Bibliothek. Sie bedauerte, dass die Broschüren des KPI weitgehend nur in kyrillischer Schrift gedruckt seien. Überraschenderweise jedoch konnte Herr Löhner auf Anhieb einige Wörter entziffern, da er u.a. Altgriechisch gelernt hatte. Überhaupt gilt seine Leidenschaft den Sprachen, und er bedauert es sehr, zu wenig Zeit für ihr (weiteres) Erlernen zu haben.

    Natürlich kamen wir dann rasch zum thematischen Inhalt unseres Projektes, dem Leitbild. Herr Löhner betonte die Wichigkeit von Leitbildern und hatte selbst entscheidende Schritte unternommen, dass das Landratsamt Neumarkt/OPf. zu einem Leitbild und damit zu einem auch für den Bürger erkennbaren Profil gefunden hat. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist ihm das Aufgreifen der in der regionalen Agenda 21 festgehaltenen Ziele.

    Eine weitere wichtige Aufgabe sieht Herr Löhner in der Moderation zur Erstellung eines Leitbildes. Dafür wären Menschen notwendig, die über die Fähigkeit verfügen, spezialisiertes Fachwissen in einen größeren Zusammenhang zu sehen und zu stellen und dieses auch verständlich für andere darstellen zu können. Wir könnten eben nicht nur als individuelle Einzelwesen existieren, sondern sind darüber hinaus auch eingebunden in ein größeres Ganzes, in ein regionales, überregionales und natürlich länderübergreifendes Zusammenwirken.
    Zunehmend sollten den Spezialisten die so genannten Generalisten zur Seite gestellt werden. Maßstab für Erfolge wird dann nicht mehr nur das Fachwissen sein, sondern auch die Fähigkeit der Einordnung und Beurteilung von Zusammenhängen.

    Es war für uns alle miteinander richtig schwer, zu einem Ende der interessanten Gespräche zu finden, aber leider stand für 11 Uhr ein weiterer Termin für den Landrat an.
    Beschenkt mit reichlich Material über den Landkreis Neumarkt/OPf., zum Beispiel einem schönen Bildband, einer CD-ROM als multimediale Reise durch den Landkreis sowie einem für unser Projektthema wichtigem Heft zur lokalen Agenda 21 mit Vollversion der Teilleitbilder, verabschiedeten wir uns mit dem Versprechen, den heute geknüpften Kontakt aufrecht zu erhalten.
    Vielen Dank, Herr Landrat Löhner, für die Zeit, die Sie sich für unseren Gast nahmen und für Ihr Interesse an unserem Projektthema! Ein Dankeschön auch an das Sekretariat und an die Pressestelle des Landratsamtes für die organisatorische Unterstützung.
    gez. Ilona Munique

    Switlana

    Guten Tag, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Heute war ein wichtiger offizieller Tag, unsere Empfang in Landratsamt.
    Noch eine unerwartete Überraschung, Behördenvertreter Herr Löhner ist hochgebildet und informierte Mensch. Es war wie Unterricht für mich. Wir haben viel über unsere wichtige Leitbildthema gesprochen. Herr Löhner hat viele Stapel Papiere auf alle Tische, und er hat gezaubert immer aus dem richtigen Stapel interessante Kopien und Zeitschriftenaufsätze zu unsere Thema. Danke schön, Herr Löhner, für freundliche Begrüßen und spannende Gespräche!

    Dann haben wir eine kurze Besichtigung von Landratsamt mit eine schöne Ausstellung darin über finnische Birke. Birke ist eine wichtige Baum auch in der Ukraine.

    Kleine Besuch in Neumarkt hat mir schönes Bild von der Stadt gezeigt. Hübsche Häuser und Marktplätze mit Brunnen und vielen Geschäften, und auch feines Eis für uns in angenehmer Sitzen auf Platz.

    Nachmittag wir haben wieder Unterricht. Ich kann großes Thema Leitbild noch nicht ganz abschließen, aber was wir machen, ist mir wohl bewußt. Leitbild ich sage noch einmal, ist keine leere Theorie. Es ist gemeinschaftliche Erzeugnis von Team und Leitung zur Tat für diese Team.

    Leitbildprozess braucht bestimmte Regel(n) von Terminen und muss einbringen gemeinsame Wünsche von Bibliotheksmitarbeiterinnen.
    Deswegen ist wichtig, alle Zeit und Wünschen und Wichtigkeiten vorher absprechen mit Moderatorin, damit ganzer Ablauf für Prozess gut sein wird. Obligatorische Forderung ist genaue Beachtung dieser Bedingungen und Verhältnisse, die sein werden in Bibliothek.

    Vorbereitung für Stadtbücherei Hilden ist eine große, weil mehrere Wunsche für inhaltliche Thema. Nicht nur Leitbild, auch Thema Ziele und Planung mit Leitbild. Viele Unterlagen, gesandt von Bibliothek wir müssen lesen. Ilona sagt, wir haben in Hilden zu wenige Zeit für alle Themenwunsche, wir müssen uns einfallen lassen, wie alle Wünsche trotzdem erfüllen werden können. Sie muss sich ganz besonders gut und streng vorbereiten. Manches sie muss auch spontan in Bibliothek entscheiden, wie verfahren. Weil auch wichtig ist, was Team wird machen wollen und mitmachen können. Das ist heute in Vorbereitung noch nicht möglich zu bestimmen.

    Ich glauben, dass diesmal ganz besonders wichtig ist, viele Erfahrung als Moderatorin zu haben. Ilona viele Erfahrung hat, ich mir sicher. Ich bin sehr gespannt auf diese Prozess!
    gez. Switlana Barabasch

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    Mi., 14.06.

    Ilona

    Hallo, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Eine lange und heiße Fahrt nach Hilden in Nordrhein-Westfalen. Nachdem wir aus dem zweiten großen Stau herausgefunden hatten, mussten wir leider den für Nachmittag eingeplanten Besuchstermin in der Stadtbibliothek Solingen absagen. (Wir haben ihn am Samstag auf der Rückfahrt jedoch nachgeholt.) Nach der Absage blieb uns dann allerdings doch ein wenig Zeit, die Bundesstraße 9 entlang des Rheins zwischen Bingen und Koblenz zu benutzen.

    Der Rhein ist Westeuropas größter Strom. Hier am mittelrheinischen Streckenabschnitt erheben sich die deutschen Mittelgebirge, ist die Welt der romantischen Burgen, die Heimat der Loreley und der rheinland-pfälzischen Weinseligkeit.
    Doch ebenso ist hier auch der Kampf gegen die Umweltverschmutzung des arg belasteten Gewässers zuhause, hier ist eine stark befahrene Durchgangsader von Frachtschiffen aus vielen Länder, und von hier aus gehen international berühmte Weine als wichtiges Exportgut in alle Kontinente.

    Switlana kennt nun seit Basel einen zweiten großen Teilabschnitt dieses Stroms, wenngleich das meiste überwiegend aus dem Autofenster heraus. Deswegen haben wir im kleinen Städtchen Oberwesel eine kurze Pause eingelegt. Nun haben neben den Augen endlich auch einmal ihre Füße Bekanntschaft mit dem Rhein gemacht.

    Um 20 Uhr kamen wir müde, aber bereichert mit vielen Eindrücken in unserem Hotel in Hilden an. Noch ein feines Abendessen im schönen Garten des Restaurants >>Fachwerk<< und ab ins Bettchen. Kein Tagebucheintrag heute abend von Switlana. Sie soll stattdessen morgen für unsere Kolleginnen der Stadtbücherei fit und aufnahmefähig sein!
    gez. Ilona Munique, und in Vertretung von Switlana Barabasch

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    Do., 15.06.

    Switlana

    Schönen guten Tag, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    (Heute nur ich erzähle etwas zu diesen erste Tag in Stadtbücherei Hilden. Frau Munique hat so gewünscht.)

    Kleine Stadt, aber große und moderne Bibliothek. Personal zählt 12 Personen, fast alle haben Bibliotheksausbildung. Ich finde interessant, dass diese Bibliothekarinnen wissen, dass heute Leitbild als Thema, aber nicht wissen, was genau kommt auf sie zu, was genau machen sie in diesem Prozess. Alle sehr gespannt.

    Ilona hat eine schwierige Aufgabe, zu wenig Zeit. Statt vier bis fünf Tage notwendige zu diesen zwei Themen (Leitbild und Ziele setzen / planen) nur zwei Tage.
    Aber in gute Vorbereitung, genaue Erfassung und abgestimmte Arbeit es geht. Ganze Gruppe entscheidet unsere Zeitprobleme mit, kann sagen, was Wichtigstes für sie ist, und so wir setzen zusammen Prioritäten für diese zwei Tage.

    Erste Tag ist eine Einführung in diese Leitbildthema, ist Begriffe klären mit Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Image, Qualität, Corporate Identity usw. Dann kurze Variante von Selbstbildanalyse in andere Form als in Efringen-Kirchen, aber gut genug für Weiterarbeiten.

    Aus vielen Unterlagen geschickt von Stadtbücherei Hilden, Ilona hat herausgearbeitet viele Stichworte zu Leitbildschwerpunkte. Großes Erlebnis auch für Leiterin Bibliothek, viele Begriffe kann sein viel Verwirrung für Lesende. Wichtig ist klarer Begriff nur eins, nicht verschiedene Wörter für gleiche Sache. Zum Beispiele Nutzer, Benutzer, Kunde, Leser. Oder offene Raum, öffentlicher Raum, Offenheit des Raums usw.

    Wir alle können erkennen, dass für richtige Leitbildprozess mehr Zeit ist notwendig. Diskussionen ist eine wichtige Sache für alle. Doch unsere Ziel ist diesemal vor allen Dingen, Antwort für Frage:

    Was machen wir mit Leitbild?
    Wie können wir verwenden für tägliche Arbeit eine Leitbild?

    Morgen wir werden erfahren.
    gez. Switlana Barabasch in Absprache mit Ilona Munique

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    Fr., 16.06.

    Ilona

    Ich grüße Sie, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Unser Hauptziel an diesem zweiten Tag war es, Antwort auf die Fragen zu finden:
    Was machen wir mit dem Leitbild? Wie können wir es für die tägliche Arbeit verwenden?
    Zur Beantwortung der Fragen half uns die Konzeptionelle Planungsmethode (KPM).

    Konzeptionelle Planungsmethode (KPM)

    Anhand eines fingierten, jedoch der realen Situation der Stadtbücherei Hildens entsprechenden Leitbildes, entwickelten wir zunächst Ziele, Teilziele, Methoden und Maßnahmen unter Einbeziehung von Maßzahlen und Messinstrumenten.

    Dazu bildeten wir zwei Gruppen, die jeweils eine kleine Textstelle aus dem Leitbild aufgegriffen haben.

    Die erste Gruppe erarbeitete Ziele zu der Leitbildaussage:

    Die Medienangebote sowie die räumliche Präsentation sollen künftig noch attraktiver und kundenorientierter gestalten werden mit dem Ziel der bestmöglichen Kundenzufriedenheit und der Kundengewinnung.

    Die zweite Gruppe erarbeitete Ziele für den Passus:

    Einen Schwerpunkt unserer Angebote legt sie (die Stadtbücherei Hilden) auf Junge Familien.

    Diese beiden Aussagen bildeten jeweils die übergeordnete Maßnahme.

    Zur übergeordneten Maßnahme wurde eine Stoffsammlung angelegt, bestehend aus Teilzielen, Maßnahmen, Methoden etc. Die Stichwörter der Stoffsammlung wurden dann aufgeteilt in Teilziele und Maßnahmen und einander entsprechend gegenübergestellt.

    Bei der nun folgenden Fortführung der Konzeptionellen Planungsmethode (KPM) wurden die Teilziele in kurzfristige, mittelfristige und langfristige Lösungsmöglichkeiten (Planungen) eingeteilt.

    Zu jedem Teilziel wurden Maßgaben (wie z.B. Datum, Menge, Steigerungsrate etc.) sowie ein passendes Messinstrument (z.B. Umfrage, Kontrollgespräch, Statistik) notiert.

    Dann wurden die Methoden und Mittel (unter Zuhilfenahme der vorhergehenden Stoffsammlung) zur Erreichung der Teilziele festgelegt.
    Flankierend dazu wurden Öffentlichkeitsarbeit und Werbemaßnahmen festgeschrieben.

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    Ergebnisse der Gruppen

    Die erste Gruppe

    Die erste Gruppe hatte rasch festgestellt, dass die Leitbildaussage (s.o.) nur in mehreren Teilabschnitten zu behandeln ist. Man einigte sich auf die Planung und exemplarische Präsentation von nur einem der möglichen Teilabschnitte, nämlich:

    Kundenzufriedenheit durch ein noch besseres Medienangebot.

    Auch dazu fanden sich schnell mehrere Maßnahmemöglichkeiten, wie zum Beispiel

  • Mehr Informationen zu (brand-)aktuellen Themen
  • Bestandspflege (stärkeres Aussondern, Verkauf, Pflege/Reparatur)
  • Beraterteams (mit Bürgern) bilden

    Eine wichtige Erkenntnis für die Gruppe war das genaue Festlegen von Maßgaben, um später auch den Erfolg messen zu können.

    Die zweite Gruppe

    Die zweite Gruppe hatte sich die Jungen Familien vorgenommen.

    Das Thema war brennend für alle, denn es sind bereits Projektgelder in diesem Jahr dafür zur Verfügung gestellt worden. Bisher hatte das Alltagsgeschäft eine in alle Details gehende Planung erschwert bzw. verhindert. Nun also die Theorie der KPM im so genannten Echtbetrieb.

    Zu diesem Junge-Familien-Projekt lag bereits ein vorbereitetes Konzept vor, welches die Gruppe teilweise als Hilfe für ihre Zielsetzungen nutzen konnte.
    Im Anschluss an die konzentrierte Diskussion der Gruppe wurde nun ein Ausschnitt der Planungsergebnisse allen Kolleginnen auf der Tafel vorgestellt, und das Ergebnis fand auch breite Zustimmung von seiten der ersten Gruppe.
    Sehr schnell wurde allen klar, wie umfangreich und arbeitsintensiv das Thema zu behandeln war. Das hat natürlich Konsequenzen für alle Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei. Mit den Planungsergebnissen ist es nun leichter möglich, die Maßnahmen für alle exakt zu koordinieren.

    Die Arbeit geht weiter

    Alleine mit der Planung von Zielen und Methoden ist die Arbeit ja noch nicht getan. Nun musste also das Machen und Tun folgen. Wie auch dieses Machen und Tun mit Hilfe der 10-W-Fragen (Wer, mit Wem, was, womit, usw.) in eine sinnvolle Planung zu bringen ist, war das letzte Mosaiksteinchen dieser Inhouse-Veranstaltung.

    Ich bedanke mich sehr, dass Sie, liebe Kolleginnen der Stadtbücherei Hilden, so effektiv, zeitorientiert und engagiert mitgearbeitet haben. Mir ist klar, wie anstrengend die Tage für Sie alle gewesen sein mussten, hatten wir doch ein großes Aufgabenpensum zu erledigen. Doch auch das ist Echtbetrieb, denn sehr viel mehr Zeit haben Sie in Ihrem Bibliotheksalltag ebenfalls nicht zur Verfügung, stimmts?

    Ich bedanke mich außerdem sehr für die netten Briefe, die Sie mir/uns mitgegeben haben, und die ich mit Freude gelesen habe. Ich wünsche Ihnen allen weiterhin, dass Sie ihr Engagement behalten, welches Sie ganz offensichtlich für Ihre Nutzer/Kunden/Leser/Besucher (?) haben.
    gez. Ilona Munique

  • Switlana

    Guten Tag, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Heute habe ich verstanden, wie Leitbild mündet in Planung.

    Zuerst in Leitbildprozess ereignet sich eine psychologische, aber auch praktische Hilfe für Leiterin und für ganze Personal für mögliche Lösungen von Arbeitskonflikten, für eine Verbesserung für gesamte Klima. Nach Leitbild erstellen, Team bekommt mit Konzeptionelle Planungsmethode eine Empfindung für große und wichtige Schaffung. Das ist gute Stimmung für die weitere Arbeit. Jede Mitarbeiterin kann eine Verbindung von Leitbild spüren und schaffen zu ihren Arbeitsbereich und ihre Arbeitsplanung.

    Außerdem ich finde interessant noch zwei Ideen in Moderatortätigkeit. 1. Kleine Turnübung für ermüdete Leute, die 2-3 Tage intensiv arbeiten und sitzen.
    2. Persönliche Briefe von alle Teilnehmerinnen an sich selbst, das ist Test für Teilnehmerinnen selbst. Sie schreiben eigene deutliche Reaktion auf Seminar auf, sie denken, wie sie weiterhandeln wollen. Und Briefe werden geschickt später in ein paar Wochen zurück an diese Leute zu Erinnerung daran.

    Liebe Leute aus Stadtbücherei Hilden. Sie waren nett und freundlich zu uns. Ich danke Ihnen für Gastfreundschaft und wünsche Ihnen eine gute Atmosphäre in tolle Arbeit.
    gez. Switlana Barabasch

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    Sa., 17.06.

    Ilona

    Guten Tag, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Bevor wir uns von Hilden aus auf die Rückfahrt nach Postbauer-Heng machten, besuchten wir das 11 km entfernte Solingen. Die Stadtbibliothek Solingen ist eine langjährige Kundin des WEGA-Teams (Corporate Identity, Arbeitsmethoden, Corporate Design). Das von uns erst kürzlich erarbeitete Logo hatte ich bislang noch nicht in Aktion sehen können. Brennend interessierte mich natürlich auch, wie ihr neues Domizil in den Clemens-Galerien aussieht. (Das alte Gebäude war nämlich wirklich sehr wenig anregend.)

    Frau Rosi Brylla führte uns freundlicherweise durch alle Räume, und man kann sagen, dass die Stadtbibliothek insgesamt sehr gut gelungen ist. Die Leiterin der Stadtbibliothek, Frau Claudia Elsner-Overberg, erklärte, dass noch einiges an Arbeit anstünde, aber schließlich sei man ja gerade erst Ende April eingezogen.

    Ein dienstlicher Nebeneffekt war die Besprechung mit Herrn Ludger Albrecht über die künftigen Webseiten für die Stadtbibliothek Solingen. So konnte ich das Angenehme mit dem Nützlichen gut verbinden.
    Gegen Mittag mussten wir uns aber wirklich losreißen, eine lange Fahrt stand uns ja noch bevor.

    Die Reise ging diesmal über die A3, Richtung Frankfurt, Würzburg. Einen kurzen Halt legten wir auf Schloss Montabaur (Rheinland-Pfalz) ein, wo wir in seinem wunderschönen Gärtchen neben duftenden Rosen und begleitet von Springbrunnen-Geplätscher ein Mittagspicknick einnahmen.

    Mit nur einem Schloss wollte ich mich nicht zufrieden geben. Daher gab es eine weitere kleine Pause am Wasserschlösschen Mespelbrunn, in der Nähe Aschaffenburgs (in Bayern, Unterfranken). Wie einem deutschen Märchen entnommen versteckt sich die kleine, romantische Anlage zwischen den Buchenwäldern des Spessarts.

    500 Kilometer auf Deutschlands Straßen sind ein echter Nervenkrieg. Nicht nur, weil wir wieder, wie auf der Anfahrt schon, in einem Unfallstau stecken blieben. Nein, viel schlimmer ist es für mich, dass ich weiss, wieviel schöne Sehenswürdigkeiten links und rechts der Straße liegen, und ich habe einen lieben Gast neben mir, dem ich einfach alles, alles zeigen möchte. Das kostet große Selbstbeherrschung!

    Switlanas Herausforderung an die Selbstbeherrschung war ihre Kamera. Ich denke, das Filmmaterial erreicht langsam auch 500 Kilometer.
    gez. Ilona Munique

    Switlana

    Grüß Gott, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen!

    Ganze Tag fahren wir durch ganze Deutschland, aber (danke Ilona) ich sehe nicht nur Schildern entlang Autobahnen, obwohl gibt es zu viel von Köln bis Nürnberg.

    Zuerst zeigt Ilona ihre liebe Stadtbibliothek Solingen. Was war, das ist, das wird! Von alte, langweilige und unglückliche Haus bis neue wunderschöne Gebäude mit supermoderne Ausstattung, mit zahlreichen Lesern und ausgezeichnete Personal!
    Ihr Leitbild in Realität. O, Ja, jetzt verstehe ich, wozu und warum arbeiten wir.

    Und weiter wir fahren über ein Schloß Montabaur, und über Schlösschen Mespelbrunn, über Main und über Rednitz. O, Deutschland, du bist toll!
    gez. Switlana Barabsch

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    So., 18.06.

    Ilona

    Schönen Sonntag, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Kaum, dass wir gestern aus Hilden (Nordrhein-Westfalen) zurück waren, bewegten wir uns in die entgegengesetzte Richtung, nach Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg). Innerhalb zweier Tage also fünf Bundesländer (mit Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern).

    Diesmal erwartete uns aber keine Arbeit, wir werden einfach nur einem Seminar über das Thema Leitbild aufmerksam zuhören.
    Mit dabei war ein Kollege des WEGA-Teams, Herr Reinhold Burger, ansässig in Stuttgart und für den heutigen Tag unser Chauffeur. Sein Aufgabengebiet ist im Normalfall die Mitarbeit bei der Entwicklung strategischer Konzepte für Bibliotheken, die Überprüfung der Webseiten des WEGA-Teams sowie Lösungen von programmtechnischen Anforderungen, letzteres aus seiner Kompetenz als Geoinformatiker und Programmdesigner heraus.

    Da das morgige Seminar in Schwenningen stattfinden wird, haben wir uns heute abend zusammen das nette, historische Städtchen Villingen angesehen. Herrlichstes Biergartenwetter, und wir genießen diesen freien Abend sehr!
    gez. Ilona Munique

    Switlana

    Hallo und schönen Tag, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Heute ich bin nicht nur mit dem Auto, sondern hauptsache mit der Eisenbahn gefahren. Deutsche Eisenbahnen sind sehr sauber und eine tolle Sache. Wir haben eine schöne Landschaft zu betrachten, trotzdem haben wir auch im Zug gearbeitet ein bisschen. Wir haben immer viele Dinge zu sprechen. Zum Beispiel wir sprechen über was ich genau mache, wenn ich wieder daheim bin. Ja, auch schon über neue Projekte. Aber das noch nicht soweit, doch hohe Ziele sind für Vorankommen immer gut zu setzen. Wir werden sehen.
    gez. Switlana Barabasch Zurück zum Seitenanfang

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    5. Woche, 19. - 25. Juni 2000


    Mo., 19.06.

    Switlana

    Grüß Gott, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Heute ich bin zweite Mal in Baden-Württemberg, aber jetzt mit andere Ziele. Wir haben eine Fortbildung, organisiert von Staatliche Fachstellen für öffentliche Bibliothekswesen Freiburg und Tübingen (Reutlingen), in Stadtbücherei Schwenningen.
    Titel: Leitbilder: Bibliothek, Stadt, Wirtschaft

    Ich beobachte Leitbild in andere Stufe, wie Diskussion sich gestaltet zwischen Bibliotheksfachleuten und Referenten.

  • Die Referenten sind Dr. Herbert Zinell, Oberbürgermeister der Stadt Schramberg, und er stellt vor kommunales Leitbild und Verwaltungsleitbild der Stadt Schramberg. Er ist Vertreter von Behörde.

  • Herr Florian Nantscheff, Leiter der Stadtbibliothek Lörrach. Er stellt vor Leitbildprozess der Stadt Lörrach. Er ist gewesen in Prozess ein Moderator.

  • Frau Heidi Immler, Leiterin Bibliothek Schweizerisches Tropeninstitut, aus Basel. Sie stellt vor gemeinsames Leitbild der Bibliotheken Baselland. Sie ist Vertreterin von bibliothekarische Organisation.

  • Dr. Frank Obergfell, Geschäftsführer der Fa. KUNDO System-Technik, St. Georgen, stellt vor seine Firmenleitbild. Er ist Vertreter von Wirtschaftskreis.

    Ich sehe eine so genannte gleichseitige Dreieck, wo haben alle Teilnehmer/-innen ein Ziel: Leitbild. Aber verschiedene Aufgabe für das Leitbild, verschiedene Verwendung, verschiedene Warum Leitbild.

    Zum Beispiel Behörde brauchen politische Mittel (für Argumentationen). Die Wirtschaftsfachleute brauchen Leitbild für Werbung, Reklama. Die Bibliotheksfachleute brauchen Arbeitsinstrument für Alltagstätigkeit, für Kommunikation nach außen, und für demokratische Prozesse für internes Kollektiv.
    Sehr interessante Aspekte heute.

    Und sehr schöne große Ausstellung in Stadtbücherei Schwenningen von Künstler und Autor Peter Ruge. Ich habe mich sehr gefreut, ich habe bekommen ein Buch mit Signature von ihm, von Frau Hartmann, Leiterin der Bücherei. Vielen Dank für das sehr überraschende Geschenk, und viele Dank für das sehr gastfreundliche Haus!
    gez. Switlana Barabasch, mit Grüßen von Ilona Munique

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  • Di., 20.06.

    (zurück zum Do., 22.06.)

    Ilona

    Grüß Gott, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Da es am heutigen Tag Sahara-Luft geben soll, und ich außerdem am Nachmittag zur Druckerei fahren musste, haben wir die Unterrichtszeit einfach auf den Vormittag gelegt.

    Wir besprachen das Seminar des gestrigen Tages in Schwenningen, und ich ging dabei besonders auf die unterschiedlichen Leitbild-Ansätze ein.

    Wichtig erschien mir in diesem Zusammenhang die Betonung der demokratischen Willensbildungsmöglichkeit, die ein Leitbildprozess bietet. Wird ein Leitbild von der Leitungsebene erarbeitet ohne Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ist der Wesensgedanke des Leitbildes ad absurdum geführt. Wenn ein Leitbild für alle sein soll, sollte es auch von allen erarbeitet werden. Im schlechtesten Falle wird es nämlich nicht akzeptiert und damit nicht gelebt werden.
    Ein ohne die Beteiligung aller entstandenes Leitbild verstehe ich für mich nicht mehr als Leitbild, sondern ich verstehe darunter eher eine Betriebs-Anleitung.

    Im weiteren Verlauf erarbeiteten wir verschiedene Modelle für den anstehenden Leitbildprozess in Kiew in der KPI-Bibliothek.
    Als bestes Modell erschien es uns, das Leitbild als Flusslandschaft darzustellen.
    Also der Hauptfluss Dnepr (Direktor, Prorektor, 2. Direktorin, Lehrsekretärin und Moderatorin als eine vorinformierte Arbeitsgruppe (AG) Dnepr) mit den Zuläufen der großen Nebenflüsse Desna, Worskla, Irpen usw. (11 Sektorenleiter/-innen, die die AG Dnepr dann komplettieren), im Dialog mit den AGs dieser Nebenflüsse (Sektions- und Abteilungsleiter/-innen mit bis zu drei Mitarbeiter/-innen), im Dialog mit den zahlreichen Quellen (Mitarbeiter/-innen). So könnte es funktionieren. Wir sind gespannt.

    Am Nachmittag dann fuhren wir zur Haus- und Hofdruckerei des WEGA-Teams, nach Berching zu Herrn Egon Fuchs und seiner Crew.

    Dort bekam Switlana eine Einführung in den drucktechnischen Verfahrensablauf: angefangen mit den koordinierenden Sekretariatsaufgaben, der Datenbearbeitung und ihrer Belichtung, das Einrichten des exakten Standes der Filme, die Erstellung der Druckplatten, und dann endlich der Druck mittels verschiedener Maschinen. Damit ist die Arbeit allerdings noch nicht beendet, denn es folgen Schnitt, Falz, Verpackung und letztendlich der Versand.

    Herr Fuchs bot Frau Barabasch seine alte, aber brave Schnittmaschine an, da er in Kürze eine moderne Maschine kaufen will. Schade, dass sie nicht in das Handgepäck passt. Der Versand nach Kiew ist leider ein großes, schwer zu lösendes Problem.

    In einer anderen Sache allerdings bietet sich eine gute Lösung an. Frau Barabasch benötigt für ihre Moderation dringend farbiges Kartonpapier, und als Herr Fuchs von sich aus gefragt hatte, ob er etwas zu unserer Arbeit beitragen könne, war das der erste Gedanke. Die Kosten, die wir hoffentlich durch den Versand über ein Busunternehmen niedrig halten können, werden sich Herr Fuchs und das WEGA-Team teilen. An dieser Stelle im Voraus herzlichen Dank!
    gez. Ilona Munique

    (zurück zum Do., 22.06.)

    Switlana

    Guten Morgen, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Außer der Wiederholung was wir gehört haben gestern in Schwenningen im Seminar Leitbilder haben wir eine ungefähre Planung für zukünftige Leitbildprozess in Wissenschaftliche-technische Bibliothek Nationale Technische Universität (Kiewer Polytechnisches Institut, KPI) gemacht.

    Wir haben mehrere Strukturvariante für die Universitätsbibliothek betrachtet: ein Netz, ein Kreis, eine Kette. Ilona empfiehlt Struktur für mögliche System wie Fluss, wie größte Fluß in meine Heimat: Dnepr mit zahlreichen Nebenflüsschen. Ich finde, diese Assoziation gelungen ist.

    Am Nachmittag musste Ilona fahren in die Druckerei in Berching (Pollanten) und hat mich mitgenommen. Dort hatte ich interessante Führung von Druckereimeister Herrn Fuchs bekommen. Er war sehr liebenswürdig und hat erklärt verschiedene Maschine und Möglichkeiten er hat. Herr Fuchs hat große Stolz auf seine Betrieb, und ich kann gut verstehen.

    Interessante Sache mit Druck von Trauerbildchen, welche werden gedruckt für gute Erinnerung, wenn ein Mensch gestorben. Diese Sache bei uns gibt es nicht. Aber schöne Brauch.

    Herr Fuchs hat auch erzählt, er kennt weitere Menschen aus meiner Heimatstadt Kiew, nämlich Musiker aus unsere sehr bekannte Chor (Schneeglöckchen). Alle Einwohner/-innen in Berching kennen diese Leute, und ich erinnere mich, dass auch Herr Landrat Löhner hat erzählt bei unserem Besuch in Landratsamt (13.06.) von dieser Sache.

    Vielen Dank, lieber Herr Fuchs, für das tolle Angebot wegen farbiges Papier für mich. Das ist wunderbar, ich habe mir Gedanke gemacht schon viele, wie ich kann bekommen solches für uns in Ukraine seltene Papier. Ich glaube, deutsche Leute sind sehr großzügige Menschen, obwohl selbst brauchen immer Geld für viele teuere Sachen, wie Beispiel Ihre Geräte für Druckerei. Danke für mich und für meine Kolleginnen und Kollegen in Bibliothek!
    gez. Switlana Barabasch

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    Mi., 21.06.

    Ilona

    Hallo, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Heute haben wir das erste Mal den aufgestellten Unterrichtsplan nicht eingehalten. Statt Vortrags- und Präsentationstechnik zu lehren, bat ich Switlana, ihre Unterlagen zu sortieren und auf mögliche Fragen hin durchzusehen.

    Ich denke, bei der Fülle des erhaltenen Materials ist dies sicher einmal notwendig. Notwendiger bestimmt als das Thema Präsentationstechnik. Denn ich sehe ein, dass es in der Ukraine nur begrenzt Darstellungsmöglichkeiten gibt. Da wird sich Switlana auf ihren Einfallsreichtum und ihre Fantasie verlassen müssen. Die wichtigsten Techniken, zum Beispiel in Bezug auf Meta-Plan, hat sie in der Praxis und während unserer vergangener Unterrichtsstunden sowieso kennengelernt.

    Auch ein vertiefender Unterricht in Vortragstechnik ist nicht mehr unbedingt erforderlich. Die notwendigen Grundkenntnisse konnte sie bereits während des praktischen Erlebens kennenlernen, und ein paar weitere Kenntnisse flossen während der vergangenen Tage immer wieder in die Unterrichtsstunden mit ein. Außerdem gibt Switlana an der KPI-Bibliothek Unterricht in Bibliografie. Sie ist also kein unbeschriebenes Blatt auf diesem Sektor.

    Der Rest des Tages: Hitzefrei! Unser kleines Naturfreibad ist zu verlockend, und Switlana hatte endlich einmal eine längere Zeit am Stück, um in Ruhe ihre Scripten durchsehen zu können.

    Am Abend dieses längsten Tags des Jahres spazierten wir auf den nahegelegenen Dillberg (Rundfunk-Sendestation), genossen die warme Luft, den herrlichen Blick weit über den Nürnberger Reichswald und die Fränkische Alb, und freuten uns an den vielen Glühwürmchen. Ein schöner Sommer!
    gez. Ilona Munique, mit Grüßen von Switlana Barabasch

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    Do., 22.06.
    (Fronleichnam)

    Ilona

    Hallo, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Schwimmen

    Heute ist Fronleichnam, ein Feiertag. Wieder ist es sehr heiss, und in manchen Städten wurden Rekordtemperaturen gemeldet. Switlana hat am Vormittag noch einmal unser kleines Naturfreibad besucht, kam aber mittags heim mit der Bemerkung, sie könne dort nicht richtig arbeiten. Sie ist wirklich eine sehr fleißige Frau!

    Plaudern

    Nachmittags haben wir uns über einige Aspekte der vergangenen Tage und Inhalte unterhalten. Und über die vorbereitende Zeit zu diesem Projekt.

    Switlana hat mir davon erzählt, wie ihr Direktor, Herr Drigajlo, und sie im Dezember 1999 zu einem Gespräch zur Bibliotheksleiterin Frau Mechtold ins Goethe-Institut eingeladen worden sind. Es gab Kaffee und Kuchen, und es war eine sehr angenehme, wenngleich für ukrainische Arbeitsverhältnisse eher ungewöhnlich festliche Stimmung.

    Frau Mechtold erzählte dabei zunächst vom vergangenen Vortragsseminar (welches ich im Oktober 1999 als Referentin zum Thema Leitbild und Öffentlichkeitsarbeit gehalten hatte), und unterbreitete sodann den ausgearbeiteten Projektplan. Herr Drigajlo erklärte, nachdem er die Tragweite des Projektes erkannte, sein strahlendes Einverständnis, und Switlana Barabasch wurde gefragt, ob sie denn die Auserwählte sein wolle, die nach Deutschland gesandt werden soll.

    Nun, natürlich musste Switlana erst ihrer Familie von diesem Vorhaben erzählen, bevor sie sich entscheiden konnte. Schließlich sollte sie drei lange Monate im Ausland verbringen, und das hat einige familienorganisatorische Folgen. Ihr Mann, Wolodimir, war dennoch sehr einverstanden mit ihrer Dienstreise, der Sohn Witalij (13 J.) verständlicherweise nicht so sehr. Doch ich denke, er ist jetzt sehr stolz auf seine weitgereiste und erfahrene Mutter. (Danke, ihr beiden klugen und tapferen Männer!)

    Kino

    Abends fuhren wir nach Nürnberg ins Metropolis-Kino. Durch unser Leitbildprojekt bin ich momentan, was Kinoprogramme anbelangt, nicht sehr auf dem Laufenden. Ich hatte also spontan einen Film herausgesucht, der mir vom flüchtigen Lesen der Inhaltsbeschreibung her zusagte.
    Gerade, als wir die Eintrittskarten kauften, entdeckten wir, dass dieser Film von Veit Helmer, Tuvalu, einige Preise gewonnen hatte, u.a. den Bayrischen Filmpreis, den Eastman-Kodak Förderpreis Hof und den Publikumspreis Kiew! Was für ein Zufall! (Unser Urteil übrigens: sehr sehenswert.)

    Es ist erstaunlich, wie häufig wir, sensibilisiert wohl durch unser eigenes Projekt, jetzt auf andere ukrainisch-deutsche Kooperationen und Erfahrungen stoßen. Unter anderem bei unserem Landrat Herrn Löhner (13.06.), dann bei der Druckerei Fuchs in Berching (20.06.), und nun heute im Kino. Toll!
    gez. Ilona Munique

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    Fr., 23.06.

    Ilona

    Liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Nun ist er tatsächlich da, der letzte offizielle Termin!

    Heute fuhren wir zu eines der bayerischen Urklöster, der Benediktinerabtei Metten, und zur vielleicht Schönsten aller bayerischen Bibliotheken.
    Pater Erhard Hinreiner erwartete uns um 14 Uhr und führte uns durch die Bibliothek, durch das Archiv und im Anschluss daran in den Festsaal.

    Bevor Switlana über ihre Eindrücke selbst berichten wird, hier eine kurze Beschreibung dieser harmonischen Anlage im Landkreis Deggendorf (Bistum Regensburg):

    Abtei und Kirche

    Die Benediktinerabtei Metten ist dem Erzengel Michael geweiht. Die Klostergründer sind der selige Gamelbert und (nach einer Legende) Karl der Große. Die älteste Erwähnung geht auf das Jahr 766 zurück. Nach der Säkularisation 1803 wurde auf Befehl König Ludwigs des Ersten das Kloster Metten 1830 wiedererrichtet und von Mönchen besiedelt.
    Seit 1847 ist das Kloster mit seinem Vollgymnasium eine Lehr- und Erziehungsstätte. Außerdem sind die Mönche als Seelsorger tätig und verwalten mehrere Pfarreien.

    Die mit ihren zwei mächtigen Türmen mit Zwiebelhauben weithin sichtbare Klosterkirche ist reich ausgestattet im überwiegend barocken Stil.
    Die Deckenfresken sind von Cosmas Damian Asam (um 1714) und von Wolfgang Andreas Heindl (1722-24), die Stuckdekoration schuf Franz Josef Ignaz Holzinger, der Aufbau des Hochaltars ist von Jakob Schöpf, die Seitenfiguren von Franz Mozart, das Altarblatt wiederum von C.D. Asam, sein erstes Monumentalwerk.

    Klosterbibliothek

    Unter Abt Christoph Guetknecht (1628-45) ist der Neue Konventbau, in dem sich die Bibliothek befindet, errichtet worden. Gleichzeitig mit der Klosterkirche, 1722-26, wurde die Bibliothek ausgebaut.
    Die Plastiken sind von Franz Josef Ignaz Holzinger, die Fresken von Innozenz Waräthi, die prächtigen Bücherschränke von Jakob Schöpf (angenommen).

    Die Leitidee für Freskenzyklus und Stuckdekoration ist, dass die höchste zu erstrebende Weisheit nicht allein aus Büchern und wissenschaftlichen Studien zu erlangen sei. Die wahre Erkenntnis liegt vielmehr in der göttlichen Gnade der Offenbarung und der Glaube steht über dem Wissen. (Auszugsweise entnommen dem PEDA-Kunstführer Nr. 321/1995).

    Festsaal

    Begonnen im Jahre 1734 unter Abt Augustin II. Ostermayer, wurde dieser Klostertrakt mit dem Festsaal erst im Jahre 1759 ausgebaut und ausgestattet. Der erste Architekt war Benedikt Schöttl, der Baustil zeigt das beginnende Rokkoko-Zeitalter.
    Die Stuckdekoration ist von Mathias Obermayer, das Deckenfresko wurde von Martin Speer (1755) geschaffen. Zeitweise diente der Saal als Studienkirche. Nach einem Dachstuhlbrand im Jahre 1942 und der nachfolgenden Wiedererrichtung bekam der Raum seine ursprüngliche Funktion als Festsaal wieder. Hier in diesem außergewöhnlichen Rahmen finden internationale Konzerte, aber auch die Abiturfeiern statt.

    Ja, und selbstverständlich sollte Switlana nicht nur Autobahnen kennenlernen, sondern endlich auch einmal deutsche Landstraßen. Wir fuhren also die B 8 von Metten nach Postbauer-Heng, und selbstverständlich haben wir dabei einen Halt an der Walhalla eingelegt, und ebenso selbstverständlich kamen wir nicht an Regensburg vorbei! Jeweils nur kurz, aber immerhin nichts ausgelassen.
    (Hallo, liebe Switlana Sliptschenko! Deine Namensschwester hat die Grüße an Regensburg ausgerichtet, ich habe es gehört!)

    Aber damit war der Tag noch lange nicht vorbei. Ganz in unserer Nähe wurden Johannisfeuer entzündet, und diesen schönen Brauch wollten wir miterleben. Auch in der Ukraine wird der Johannistag gefeiert. Ein feuriger Abschluss für einen langen und reichen Tag.
    gez. Ilona Munique

    Switlana

    Hallo, liebe Tagebuch-Leserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Nachträglich zu Fronleichnam hat Ilona für mich ein großzügiges Geschenk gemacht. Das ist noch ein bayerischer Ausflug zur Benediktinerabtei Metten, Kirche, Bibliothek, Festsaal, und dann noch rießige Walhalla an Donau, und alte und immer junge Regensburg.

    Meine Supererlebnisse war natürlich Klosterbibliothek Metten, mit ausführliche Führung von freundliche Pater Erhard, Bibliothekar und Leiter Internat.

    Ich war sehr überrascht von russische Begrüßung von alte und ehrwürdige Pater Erminold, der mehrere Fremdsprachen beherrscht. Er sich entschuldigt, leider nicht kann ukrainische Sprache sprechen, aber er war in Kiew selbst und hat gesehen unsere uralten Höhlenklöster. Ich hab noch ein Mal deutsche Bildungsgrad, Intelligenz und hohe Kultur erfahren.

    Es tut mir leid, aber ich kann nicht passende Wörten finden, um diese Bibliotheksgalerie, Freskomalerei und einzigartige Bücherbestand zu beschreiben. Das muss man sehen und in eigene Hände halten. Mir ist ermöglicht gewesen und gelungen, 500 Jahre alte Büchern in Hände nehmen, ich werde nicht mehr waschen dieses Hände!

    Tomas Mour, Utopie, 15. Jh.! Original! Sehr berühmte und bekannte Buch in Ukraine. Handgeschriebene rießige deutsche Bibel, 13.-14. Jahrhundert. Winzige Vaterunser-Gebet in mehrere Sprache im kleinste Buch der Welt aus 17. Jahrhundert. O, mein Gott! Das ist fantastisch!

    Obwohl Bibliotheksberuf hat heute andere Funktionen und wirbt mit andere Funktionen (Internet, Computer, Neue Technologie), hat es mit diesen Büchern begonnen. Bemerkenswerte Beruf! Vielen Dank, Metten! Vielen Dank, Pater Erhard für freundliche Führung und deutliches Sprechen für mich, und für Ermöglichen diese große beeindruckende Erlebnis mit Büchern!
    gez. Switlana Barabasch

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    Sa., 24.06.

    Ilona

    Schönes Wochenende, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    An diesem Samstag haben wir uns keine Ruhe gegönnt, zu viel fällt uns noch ein, was wir machen möchten, solange wir noch zusammen arbeiten können.
    Die Wiederholung des gesamten Unterrichtsstoffes ging so vonstatten, dass Switlana Seite für Seite ihre Unterlagen gesichtet und ein paar letzte Ergänzungen, die ich noch für sie bereit gehalten hatte, dazugeordnet hat. Eine Wiederholung der besonderen Art war, dass ich ihr die von Frau Didenko ins Ukrainische übersetzten Seminarunterlagen (Seminar Kiew, Oktober 1999, s. a. Artikel) zum Lesen und Vergleichen mit dem deutschen Text gegeben hatte.

    Switlana (Barabasch) war ganz begeistert von der tollen Übersetzungsarbeit ihrer Namensschwester, Switlana (Didenko). Frau Barabasch stellte es sich sehr schwierig vor, etwas zu übersetzten, was teilweise noch keine linguistische Entsprechung im Ukrainischen oder Russischen besitzt, beispielsweise das Wort Image oder Leitbild oder Innovation.

    Sie stellte mir auch Fragen darüber, wie ich damals zurecht gekommen bin mit den auf ukrainisch geschriebenen Meta-Plan-Kärtchen, die schließlich ja von mir während der Diskussion kommentiert werden mussten. Nun, ich habe in dieser Beziehung ein recht gutes visuelles Gedächtnis und konnte meistens recht genau sagen, welche Stichwörter auf welchem Kärtchen geschrieben standen, nachdem Frau Didenko die Kärtchen übersetzt hatte. (Man argwöhnte allerdings dann doch ein wenig, ob ich nicht heimlich ein bisschen ukrainisch gelernt hätte. Leider, leider nein.)
    gez. Ilona Munique, in Absprache mit Switlana Barabasch

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    So., 25.06.

    Ilona

    Einen ruhigen Sonntag, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Nachdem es sehr ungemütlich und kalt war, und wir keine Lust auf einen Ausflug hatten, sondern vielmehr Lust zu geistiger Arbeit, wiederholten wir die KPM, also die Konzeptionelle Planungsmethode.

    Dies hatte, außer dem Festigen des Gelernten, einen ganz konkreten zweiten Anlass: Wir beginnen bereits, kaum, dass wir unser Leitbildprojekt in Deutschland beenden, mit der Planung eines neuen Projektes. Wir wollen unser Internet-Tagebuch drucken lassen, über welches Sie uns, verehrte Leserinnen und Leser, über vier Wochen lang begleitet und von unserer Arbeit erfahren konnten. Das papierene Tagebuch soll zweisprachig, also auf Deutsch und auf Ukrainisch, erscheinen.

    Da das ein umfangreiches Unterfangen sein wird, zu dem etliche Fragen zu klären sind (Finanzierung, Übersetzung, Verteilung und Postwege, Gestaltung, technische Umformatierung des Textes usw.), kommt uns in der Planungsphase das Instrument KPM sehr zugute.

    Vier Stunden später mit der KPM steht alles soweit fest.
    Über unser Tagebuchdruck-Vorhaben wurden sofort die wichtigsten Institutionen in Kenntnis gesetzt.
    In meinem (Projekt-)abschließenden Briefverkehr (mit dem Rektor, dem Direktor und dem Prorektor der Universität, Kiewer Polytechnisches Institut (KPI) sowie mit dem Goethe-Instituts-Leiter und der Bibliotheksleiterin der Instituts-Bibliothek) kann ich unser neues Vorhaben bereits ankündigen.

    So verlieren wir keine Zeit, denn bis zum ukrainischen Bibliothekstag am 30.09.2000 soll das Tagebuch allen vorliegen.

    Wenn Sie ebenfalls ein Tagebuch möchten, dann schicken Sie uns doch einfach dieses Formular, oder senden Sie mir oder (falls Sie gerne ukrainisch oder russisch schreiben wollen), Switlana Barabasch eine Mail mit Ihren Wünschen.
    gez. Ilona Munique

    Switlana

    Grüß Gott, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Unseren Unterricht haben wir heute einer Wiederholung mit der Konzeptionellen Planungsmethode (KPM) gewidmet. Es war ein sehr konkretischer und praktischer Unterricht, weil wir eine eigene Planung übten.

    Mein übergeordnetes Ziel ist:

    A. Durch verschiedene Maßnahmen will ich das Interesse an unserem Leitbildprojekt Ukraine wachhalten, um Nachhaltigkeit zu erreichen.

    B: Ich möchte mit verschiedenen Maßnahmen die Bibliotheksfachwelt in der Ukraine von diesem Leitbildprojekt informieren, sowie das Interesse und die Akzeptanz für einen zukünftigen Leitbildprozess in meiner Bibliothek KPI steigern.

    (Übersetzung ins Schrifthochdeutsch von I.M.)


    Ilona ist verantwortlich für Deutschland, ich für Ukraine. (Achtung, Bibliotheksfachleute! Bis Ende dieses Jahres haben wir eine ganze Serie von Maßnahmen geplant!)

    Der erste Schritt in der KPM ist eine Stoffsammlung zu Teilzielen und Maßnahmen. Teilziel wird z.B. sein viele Präsentation und Publikation über unsere Projekt.

    Zweite Schritt in der KPM ist, verbinden die Teilziele mit den Maßnahmen aus der Stoffsammlung.

    Dann, im dritten Schritt, wir führen alle Teilziele in kurz-, mittel- und langfristige Planungen. Erste wichtige Teilziel kurzfristig ist beispielsweise die Finanzierung erfragen für das Tagebuch.

    Ilona baut für meine Begriff überaus bestimmbare und interessante Disposition für unsere Tagebuch in eigenen Kalender von WEGA-Team. Auch eine neue Erfahrung für mich, diese ganz genaue Zeitablaufen planen.

    Die gesamte Planungsdauer heute war 4 Stunden. Nicht schnell, aber sehr wichtig!

    Noch eine Frage versuchen wir heute entscheiden. Ukrainische Übersetzung von Wort Leitbild ist nicht ganz deutlich, es scheint mir. Ich brauche eine Hilfe unserer Linguisten. Begriffe wie Leitbild oder Leitbildprozess sind für Ukraine noch neue und abstrakt.
    gez. Switlana Barabasch

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    6. Woche, 26. - 29. Juni 2000


    Mo., 26.06.

    Ilona

    Grüß Gott, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Tests über den Kennnisstand und Verständnisstand von Frau Barabasch sind meines Erachtens nicht notwendig. Im täglichen Gespräch und durch das Tagebuchschreiben sind alle Fragen in Bezug auf den Lehrstoff geklärt worden.

    Deshalb hielten wir das Thema der Umsetzung auf ukrainische Verhältnisse für wichtiger und haben uns diesem noch einmal ausführlicher gewidmet.

    Einige Zeit verbrachten wir mit der Formulierung der Begleitschreiben, die ich Switlana mit in ihre Heimat mitgeben wollte. Schließlich möchte ich mich mit allen Projektpartnern gerne austauschen und im Kontakt bleiben, so dass sie noch mehr über die Ergebnisse des Leitbildprojekts erfahren können. Und damit dies nicht nur über Internet geschieht (die Postwegzeit dauert ca. 8 - 10 Tage und funktioniert nicht immer zuverlässig genug), bietet sich der persönliche Kurier über Switlana natürlich an. Sie nimmt außerdem einige Fotos mit, über die man sich sicherlich freuen wird.

    Und dann gibts ja auch noch etwas anderes als das Leitbildprojekt. Zum Beispiel meine Leipziger übermorgen, auf die ich mich ebenfalls gerne vorbereiten möchte.

    Unsere Tage sind erfüllt mit Arbeit, aber auch mit Freude und Lachen. So soll es sein.
    gez. Ilona Munique, mit lieben Grüßen von Switlana Barabasch

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    Di., 27.06.

    Switlana

    Guten Tag, liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Unser Projekt ist beendet.
    Doch alle deutschen Überraschungen wollen kein Ende nehmen. Heute nachmittag haben wir vor Ilonas Abreise nach Leipzig die Druckerei Fuchs in Berching besucht. Wir waren schon in Berching auf der Gutenbergstraße 1 (!) mit einer Geschäftsvisite (Di., 20.06.), aber jetzt erwartete uns eine andere Maßnahme: eine große Geschenk von Herrn Fuchs für mich und meine Arbeit.

    Drei Kartons mit dem schönen bunten Papier sind eine echte Schatz für neue Moderatorin Switlana Barabasch, kann man ein Anfangskapital sagen.

    Ich schreibe nicht über unsere Wirtschaftsprobleme in Ukraine. Das ist eine bekannte und traurige Thema. Aber wie angenehm es ist, wenn ich bewußt werde, wie verständnisvoll die Leute hier sind.

    Herzlichen Dank, sehr geehrte Herr Fuchs. Es war großzügig von Ihrer Seite. Von meiner Seite ich verspreche, Ihre Papier ist für eine gute Sache!
    gez. Switlana Barabasch, mit Grüßen von Ilona Munique

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    Mi., 28.06.

    Ilona

    Liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Heute bin ich in Leipzig für ein Seminar mit dem Titel: Meine Bibliothek kann sich sehen lassen.
    Bevor ich gestern in meinem Hotel angekommen bin, habe ich die Kartons mit dem bunten Papier von Herrn Fuchsens Druckerei in Gera abgegeben. Von dort aus sollen sie über eine befreundete Familie nach Kiew gebracht werden. Dies ist günstiger als über den normalen Postweg. Hoffen wir, der Zoll macht keine Probleme.

    Falls es jemanden unter den Tagebuchleserinnen und -lesern gibt, die in der nächsten Zeit ebenfalls nach Kiew reisen, und noch Platz für einen ca. 24 x 22 x 30 cm großen und 11 Kilo leichten Karton haben, dann melden Sie sich doch bitte bei mir. Einen würde ich gerne noch nachsenden. Vielen Dank!

    Und nun also unser letzter gemeinsamer Abend hier in Deutschland. Ich kam etwas müde von Leipzig heim, denn schließlich waren doch fast 500 km zu fahren, und ein Seminar ist ja auch nicht gerade ein Spaziergang.

    Aber ich befand mich in guter Gesellschaft, denn Switlana kam ebenfalls müde aus Nürnberg zurück, wo sie sich noch einen Tag lang, diesmal ganz alleine, umgesehen hat. Ihre Familie freut sich sicher schon auf ein paar Mitbringsel.

    So haben wir nur noch still ein Gläschen Wein getrunken und sind ein wenig traurig, dass alles schon vorbei sein soll. Ab in die Heia, morgen heißt es früh aufstehen!
    gez. Ilona Munique

    Switlana

    Dobryj den' und Grüß Gott, liebe Kolleginnen und Kollegen in Deutschland und in der Ukraine!

    Das ist meine letzte Notiz im Tagebuch.

    Morgen fliege ich nach Kiew ab, und es fällt mir schwer, mich von meinen deutschen Freunden zu verabschieden. Unser Projekt ist beendet, aber unsere Leben wie unsere Arbeit gehen weiter.

    Ich habe drei Monate in Deutschland erlebt. Das ist viel für meine Familie (mein Mann und mein Sohn langweilen sich ohne mich) und wenig für meine Arbeitsinteresse. Gerne würde ich Ilona noch so vieles fragen, zum Beispiele wie hat sie das mit ihre Logo gemacht und wie macht WEGA-Team alle schöne Broschüren und diese Sachen für Bibliotheken usw.

    Aber drei Monate sind genug, um zu verstehen, wie und wozu leben und arbeiten die Deutschen.

    Leitbild erleben in Bibliothek hat mir eine Antwort gegeben, wie und wozu arbeiten deutsche Bibliotheken.

    Natürlich, diese Begriff Leitbild ist nicht einfach und schnell zu erklären, darum diskutieren viele Bibliothekaren darüber hier. Ich habe auch Zeit gebraucht, mir über alles bewußt werden. Es war möglich, weil ich neben kluge, gute und schöne Frau Ilona Munique gelernt habe. Ich bin dankbar WEGA-Team, auch Kollege Reinhold Burger, und persönlich Ilona und ihre bemerkenswerte Mann Stephan Steiner für alles, was sie für mich gemacht haben. Ich habe mich bei diese besondere Familie sehr gemütlich gefühlt. Ich werde mich immer daran erinnern.

    Ich danke alle Leute, die aufmerksam (rücksichtsvoll) und geduldig zu mir waren, die eigene Zeit und Erfahrung mir übergeben haben.

    Ich habe noch ein Geschenk von Ilona, das ist große Deutschlandkarte. Ich nehme sie nach Kiew mit, ich nehme in mein Herz wunderschöne Land mit ihre besondere (und manchmal auch sonderbare) Volk mit.

    Herzlichen Dank, liebe Deutschland. Du warst toll!
    gez. Switlana Barabasch

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    Do., 29.06.,
    (Letzter Tag)

    Ilona

    Ein letztes Mal: Herzlich Willkommen und Dobryj den', liebe Tagebuchleserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Alles gesagt, alles gepackt, alles geschehen, was wir uns vorgenommen hatten.

    Um 8.40 Uhr haben wir dem Flieger der Australien Airlines mit unserem lieben Gast, Switlana Barabasch, hinterhergewunken, bis beide in den Wolken verschwanden.

    Nun steckt ein ukrainischer Wimpel an meinem Schreibtisch, und ein bayerischer Wimpel darf gerade über Wien nach Kiew fliegen. (Ein deutscher Wimpel ward gerade nicht aufgetrieben, aber hoffentlich zum nächsten Mal?!)

    Es haben sich nicht nur zwei Kolleginnen voneinander verabschiedet, sondern auch zwei Länder. Alles, was Switlana und ich miteinander besprachen und voneinander gelernt hatten, haben wir für unsere Bibliotheken, für die Kultur und das Wissen unserer Länder gemacht, nie nur für uns selbst.

    Dies war unser ständiges zweites Thema neben dem Leitbild: unsere Länder mit ihren jeweiligen Befindlichkeiten. Switlanas Ukraine, mein Deutschland.

    Das Projekt ist unser persönlicher Beitrag und unser persönlicher Gewinn als beteiligte Menschen in einem großen Miteinander, auch in einem nicht ganz einfachen Miteinander Europas. In diesem Projektkreis erlebten wir unser jeweiliges Land aus einer ganz besonderen Perspektive.

    Wir wünschen uns, dass wir die Erkenntnisse daraus gut verwerten und an möglichst viele weitergeben können. Zuerst in unserem unmittelbaren Umfeld durch die persönliche Weitergabe an die Bibliothekskolleginnen und -kollegen, und dann hoffentlich an einen weiten Kreis über verschiedenen Veröffentlichungen und Vorträge.
    Damit alle, die es möchten, aus diesem Projekt Nutzen ziehen können.
    gez. Ilona Munique

    Liebe Switlana!

    Wir wünschen Dir viel Energie, Mut und Kraft, und vor allem viel Freude für und an Deiner neuen Aufgabe als ukrainische Leitbild-Moderatorin!
    Und uns wünschen wir, dass wir Dich eines Tages wiedersehen. Du und Deine Familie sind jederzeit herzlich willkommen bei uns!
    Deine Ilona, auch im Namen des WEGA-Teams, und mit herzlichen Grüßen von Stephan!

    Liebe Tagebuchleserinnen und liebe Tagebuchleser!

    Vielleicht haben Sie es bemerkt: Leider konnte ich nicht immer gleich sofort am nächsten Tag das Tagebuch fortführen. Oft waren wir ja unterwegs, und manchmal einfach mit zu vielen Dingen, die den Ablauf, die Organisation und den Unterricht betrafen, beschäftigt. Und manchmal war ich einfach zu müde, um noch einen Eintrag schreiben zu können.

    Die Beiträge von Switlana habe ich so weit als möglich so abgetippt, wie ich sie von ihr auf Papier vorliegen hatte. Nur manchmal hatte ich für ein deutlicheres Verständnis den einen oder anderen Satz etwas umgeschrieben. Aber ihr Deutsch war für diese kurze Zeit des Sprachenlernens hervorragend und gut verständlich, so dass ich wirklich fast alles übernehmen konnte.

    Dieses Internet-Tagebuch ist darum ein Stück authentische und länderübergreifende Bibliotheksgeschichte.

    Wir wollen es deshalb zweisprachig drucken lassen. Wenn alles klappt, schaffen wir das Übersetzen und das Drucken noch in diesem Jahr. Sie können es gerne jetzt schon hier mit diesem Formular vorbestellen. Dort stehen auch alle weiteren Daten und Informationen zum Tagebuch-Druck.

    Wir hoffen, es hat Ihnen Spaß gemacht, unseren Projektverlauf zu verfolgen oder gar unmittelbar dabei gewesen zu sein.

    Behalten Sie unseren Gast in guter Erinnerung, so, wie auch wir dies sicherlich tun werden!

    Herzlichst! gez. Ilona Munique mit Team, auch im Namen der Projektpartnerinnen Goethe-Institut, Kiew und der Nationalen Technischen Universität, Kiewer Polytechnisches Institut sowie ihren jeweiligen Bibliotheken

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